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Sport
17.01.2022
18.01.2022 08:14 Uhr

Schaffhausen im Langlauffieber

Ruedi Widtmann und Ursula Liberato sind seit eh und je LWS-Mitglieder und stehen seit ihrer Kindheit auf den Langlaufskiern.
Ruedi Widtmann und Ursula Liberato sind seit eh und je LWS-Mitglieder und stehen seit ihrer Kindheit auf den Langlaufskiern. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Mit dem ersten Schnee und den kalten Temperaturen wurden die Loipen auf dem Randen wieder gespurt. Die Langlaufwandergruppe Schaffhausen (LWS) gibt einen Einblick in ihre Tätigkeiten und erzählt vom zunehmenden Langlauf-Trend.

Ob gemütlich durch den Schnee gleiten oder athletisch möglichst viele Kilometer abspulen – immer mehr Menschen entdecken die Sportart Langlauf für sich. Seit den Schneetagen vorletzte Woche können auch die Schaffhauserinnen und Schaffhauser die Loipe auf dem Randen wieder nutzen. 

Gute Loipe dank LWS

Für das Loipennetz auf dem Randen zuständig ist die Langlaufwandergruppe Schaffhausen (LWS), die 1969 gegründet wurde. Ziel des polysportiven Ausdauervereins ist unter anderem die Förderung des Langlaufsports in der Region. «Wir übernehmen Markierung und Spurdienst der Randenspur, der Rundloipen im Eschheimertal sowie der Skiwanderwege», bestätigt Ruedi Widtmann im Interview. Ab etwa 10 bis 15 Zentimetern Neuschnee macht sich das Spurteam an die Arbeit. 

Anzutreffen ist Ruedi Widtmann, der vom Präsidenten Markus Brütsch als wahres «LWS-Urgestein» bezeichnet wird, beim Betriebsgebäude der Langlaufwandergruppe nahe des Siblinger Randenhauses. «Unser Vater hat bereits gespurt und ich habe diesen Job dann übernommen», erzählt Ruedi Widtmann, der an diesem sonnigen Nachmittag gemeinsam mit seiner Schwester Ursula Liberato auf die Loipe will. Beide stehen seit ihrer Kindheit auf den Langlaufskiern – ob beim Klassisch oder beim Skaten – das Gefühl von grenzenloser Freiheit und der Verbindung mit der Natur seien nur zwei von vielen Gründen, warum ihnen die Wintersportart so grossen Spass mache, meint Ursula Liberato. Das Spuren übernimmt an diesem Tag Roger Meili, der zuerst selbst eine Runde auf den Skiern drehen wird und sich dann anschliessend an die Arbeit macht. «Wenn die Sonne scheint, wird der Schnee schnell sulzig. Dann ist es am besten abends zu spuren, damit es über Nacht frieren kann.»

Aktuell: Zelglirunde gespurt

Der letzte Winter mit dem vielen Schnee sei ein Bombenjahr für die Langläuferinnen und Langläufer in der Region gewesen. «Allgemein ist es in den vergangenen Jahren zwar wärmer geworden, doch es schneit auch mehr», so Ruedi Widtmann. Aktuell ist die sogenannte Zelglirunde gespurt, wo es eine 10-Kilometer-Loipe zum Skaten sowie eine 15-Kilometer-Runde zum klassischen Langlaufen gibt. «Wir hoffen natürlich, dass es nochmal richtig schneit und wir dann auch im Eschheimertal spuren können» so Ruedi Widtmann, der für ebendiese Loipe verantwortlich ist. 

Dass immer mehr Menschen den Langlauf als Sportart für sich entdecken, erkennen die Geschwister auch in Schaffhausen. Viele Ausdauersportler, darunter Triathleten oder Rennradfahrer, finden im Langlauf eine gute Trainingsalternative für die Wintermonate. Nicht zuletzt sei seit Corona ein Trend zu Aussensportaktivitäten auffallend. «Aber es hat sicher auch mit den guten Ergebnissen im Weltcup zu tun», ergänzt Ursula Liberato. Vor allem würden wieder mehr Sportlerinnen und Sportler auf den klassischen Langlauf umsteigen. «Vor einigen Jahren waren wir ziemliche Exoten auf den klassischen Skiern», erinnern sich die beiden. Gerade für Anfängerinnen und Anfänger sei es sinnvoll, sich in den geführten Schienen zuerst Sicherheit zu verschaffen. Das Skaten sei dann eher athletischer und dynamischer, aber nicht unbedingt schwerer zu erlernen. 

Von Davos auf den Randen

Regelmässig auf den Langlaufskiern steht der Flurlinger Thomas Fehr. In den Wintermonaten arbeitet er als Ski- und Langlauflehrer in Davos. Auch er berichtet von einem zunehmenden Langlauf-Trend: «Die Sportart erlebt einen brutalen Boom. Einerseits haben wir viele Anfänger, aber auch solche, die vom Skaten wieder aufs Klassische umsteigen oder es als Ergänzung sehen.» Den Zuwachs schiebt er auf das immer bessere Material, die guten Ergebnisse im Weltcup mit Dario Cologna sowie den steigenden Trend zu Aussenaktivitäten durch Corona.

Die gute Wintersituation 2021 habe in Schaffhausen die grosse Bedeutung des Randens verstärkt, meint Thomas Fehr. «Die LWS leistet mit der Randenspur Jahr für Jahr grossartige Arbeit.» Im Gegensatz zu dem breiten Loipennetz in Davos sei gerade das Niveau der Zelglirunde mit den vielen Hanglagen eher anspruchsvoll, ergänzt er. «Zum Laufen sind die Loipen direkt vor der Haustüre top, aber wer die Technik richtig lernen will, kann das sicher besser in einem grossen Skigebiet.» Als grosses Thema sieht der Flurlinger die Materialbeschaffung im Kanton Schaffhausen, da kaum ein Sportladen Ausrüstung zur Vermietung oder zum Verkauf anbietet.

Heute Dienstag, 18. Januar, findet ab 19 Uhr ein Vollmond-Langlaufen auf dem Randen statt. Mit Finnenkerzen wird die Loipe auf dem Zelgli beleuchtet. 

Gehört zum Spurteam auf dem Randen: Roger Meili. Meist verbindet das LWS-Mitglied das Spuren direkt mit einer eigenen Runde auf der Loipe. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Lara Gansser, Schaffhausen24