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Schaffhausen
11.05.2022

Dauerbaustelle im Mittelalter

Blick in den Innenhof mit dem ehemaligen Kreuzgang. Die beiden Bögen in der Bildmitte sind vor kurzem freigelegt worden. In der Bildmitte der Kreuzgangbögen.
Blick in den Innenhof mit dem ehemaligen Kreuzgang. Die beiden Bögen in der Bildmitte sind vor kurzem freigelegt worden. In der Bildmitte der Kreuzgangbögen. Bild: zVg./ Kantonsarchäologie SH
Die aktuellen Bauuntersuchungen belegen eine rege Bautätigkeit im Barfüsserkloster Schaffhausen.

Vor rund 800 Jahren errichteten die Barfüsser mitten in Schaffhausen ein Kloster. Bis zur Reformation im Jahr 1529 lebte und wirkte der Bettlerorden hier, danach gingen die Gebäude an private Besitzer und die Stadt über. Nun erfahren die Häuser einen erneuten Wandel: Die Liegenschaften werden seit Anfang 2022 zu Wohnungen und Räumen für Gewerbe und Gastronomie umgebaut. Ein Team im Auftrag des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Schaffhausen begleitet die Bauarbeiten. Es stiess dabei auf klosterzeitliche Baustrukturen, die seit dem Auszug der Mönche nicht mehr sichtbar waren.

Grossüberbauung im 13. Jahrhundert

Die Franziskaner – auch Barfüsser genannt – liessen sich bevorzugt in Städten nieder. Das Franziskanerkloster von Schaffhausen wird in einer Schriftquelle von 1253 zum ersten Mal erwähnt. Aus dieser frühen Zeit haben sich unter den modernen Betonböden mehrere Mauerreste erhalten. Wie der erste Klosterbau ausgesehen hat, wissen wir aber nicht. Kurz vor 1280 begann ein gross angelegter und genau geplanter Neubau der gesamten Klosteranlage: Kurz nacheinander entstanden mehrere zweigeschossige Gebäude mit Raumhöhen von eindrücklichen vier Metern. Sie umschlossen auf drei Seiten einen Innenhof mit Kreuzgang, im Süden war die Kirche angebaut. Das grösste der Konventgebäude, ein stattlicher Bau von 50 Metern Länge im Norden der Anlage, ist in seiner ursprünglichen Form weitgehend erhalten geblieben.

Dauerbaustelle

Nur rund zehn Jahre nach dem Neubau beschädigte ein grosses Feuer das Kloster. Das zeigen die bis heute von der Hitze des Brandes geröteten Mauern. Dank feuerfest gebauten Zwischenböden brannte nicht alles bis auf die Grundmauern nieder. Dennoch musste vieles neu aufgebaut und die Mauern frisch verputzt werden. Danach herrschte bis zur Reformation von 1529 im Kloster fast steter Baubetrieb: Mauerdurchbrüche für zusätzliche Fenster, neue Gewölbekeller, verschiedene Einbauten von Zwischenwänden und der Ersatz von Dachstühlen zeugen davon. In den Jahren um 1515 nahmen die Mönche gar den Bau eines neuen Kreuzgangs in Angriff. Geplant war ein dekoratives Kreuzrippengewölbe und Fenster mit filigranen Verzierungen aus Sandstein. Das Gewölbe wurde jedoch nie gebaut und das Werk damit nicht vollendet. Lag es an Geldmangel oder sorgte die nahende Reformation für einen Abbruch der Bauarbeiten?

Einmalige Chance für die Bauforschung

Die Gesamtsanierung der verschiedenen zusammenhängenden Gebäude gibt erstmals grossflächig den Blick auf den klosterzeitlichen Kern frei. Bauforscher und Denkmalpfleger dokumentieren fortlaufend die zum Vorschein kommende alte Bausubstanz. Ziel ist es, die Geschichte des Klosters und seiner nachreformatorischen Nutzung zu rekonstruieren. Als Hilfsmittel dienen unter anderem die Holzaltersbestimmung anhand der Jahrringe von Bauhölzern sowie ein moderner 3D-Laserscan der labyrinthartigen Anlage. Die neuen Erkenntnisse können mit denjenigen der archäologischen Ausgrabungen im ehemaligen Kreuzhof und der Kirche sowie mit früheren Beobachtungen und Erkenntnissen kombiniert werden. Ein spannendes Ergebnis ist garantiert.

Bild: zVg./ Kantonsarchäologie SH
Schaffhausen24, Originalmeldung Baudepartement Kanton Schaffhausen