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Gesellschaft
16.05.2022
16.05.2022 16:39 Uhr

Auf dem Rhein und in der Werft zu Hause

Pascal (l.) und Maurice Mändli freuen sich auf viele weitere gemeinsame Jahre, in welchen sie als Team in der Werft an Booten herumschrauben und -schleifen können.
Pascal (l.) und Maurice Mändli freuen sich auf viele weitere gemeinsame Jahre, in welchen sie als Team in der Werft an Booten herumschrauben und -schleifen können. Bild: Salome Zulauf, Schaffhausen24
Wenn sich jemand mit Booten auskennt, dann ist es wohl Pascal Mändli. Seit über 25 Jahren baut er die unterschiedlichsten Boote und erhält von seiner Familie in allen Bereichen tatkräftige Unterstützung.

In der sechsten Generation baut das Familienunternehmen Mändli die unterschiedlichsten Boote aus Holz und Aluminium – ein Familienunternehmen, hinter welchem viel Freude und Herzblut stecken. Sowohl Pascal Mändli, Inhaber des Unternehmens, als auch sein Sohn Maurice Mändli stehen tagtäglich in der Werft in Beringen und sind mit dem Bau und Unterhalt der Boote, welche anschliessend im oder am Rhein zu bestaunen sind, beschäftigt. «Ich bin sozusagen in den Beruf des Bootbauers hineingeboren, der Bezug zum Wasser war für mich schon immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens», erklärt Pascal Mändli. «Von meinem Vater habe ich damals das Unternehmen übernommen und somit auch sein Handwerk.»

Heute arbeitet die ganze Familie Mändli in der Werft etwas ausserhalb von Beringen. Während sich Pascal und Maurice Mändli um das Handwerkliche in der Werkstatt kümmern, sind Tochter Aline und Ehefrau Sabrina Mändli für das Administrative zuständig. «Es ist schön zu sehen, dass sich unsere Kinder auch so für den Bootsbau interessieren.»

Die Kundschaft daran teilhaben lassen

Einen typischen Alltag gebe es bei der Familie Mändli kaum, jeder Tag bringe neue Aufgaben und Herausforderungen mit sich, welchen sich die Familie stellen muss. «Ich schätze meine Arbeit als Bootsbauer sehr. In den letzten Jahren gab es immer weniger Bootsbauer auf dem Arbeitsmarkt, welche noch alle Arbeitsschritte selber machen. Daher finde ich es umso schöner, meinem Sohn in der kommenden Zeit dieses Handwerk in seine Hände zu legen», ergänzt der Schaffhauser weiter. Maurice Mändli ist von den Tätigkeiten als Bootsbauer sehr begeistert. So erzählt er, wie viel Freude ihm seine Arbeit bereitet und dass er besonders die individuellen Gespräche mit der Kundschaft schätze. «Jedes Boot ist auf seine Art ein Unikat, welches wir für unsere Kundinnen und Kunden bauen», erzählt Pascal Mändli. «Projekte zu besprechen und unsere Kundschaft am Prozess teil haben zu lassen, wie ihr eigenes Wunschboot entsteht, das ist für mich einer der wichtigsten Aspekte meiner Tätigkeit.» Rund fünf bis zehn Boote bauen die beiden Bootsbauer pro Saison in ihrer Werkstatt. Während im Frühling und im Herbst für den Unterhalt der Boote im und am Rhein gesorgt wird, im Sommer die Bootsvermietung betrieben wird und geführte Bootsfahrten stattfinden, steht im Winter der Bootsbau auf dem Plan. «Langweilig wird uns nie», so Maurice Mändli. «Es gibt immer etwas zu tun. Vor allem im Winter sind wir damit beschäftigt, Boote zu bauen oder dafür zu sorgen, dass alle Fährboote in unserer Werft überholt und wenn nötig repariert und bis im Frühling gelagert werden.»

Auf die Frage, ob ihnen ein Projekt besonders in Erinnerung geblieben sei, antwortet Pascal Mändli: «Jedes Boot, welches in unserer Werkstatt entsteht, ist für uns etwas ganz Besonderes. Es ist immer wieder spannend, den Prozess von der Entstehung eines Fährbootes mitzuverfolgen – wie aus ein paar Brettern etwas so Grosses und Stabiles wie ein Fährboot oder Weidling entstehen kann. Vor kurzer Zeit bauten wir ein Boot, welches anschliessend nach Berlin verfrachtet wurde. Es war schön zu sehen, wie unsere Arbeit nicht nur in der Region geschätzt wird, sondern auch überregional gut ankommt.»

Zu wenig freie Plätze

Vor 18 Jahren hat Pascal Mändli das Unternehmen von seinem Vater übernommen. Rückblickend auf diese Zeit stellt der Bootsbauer besonders eine Veränderung in Bezug auf die Nachfrage von Fährbooten aus Holz oder Aluminium fest. Wie Pascal Mändli weiter betont, sei die Nachfrage durch die letzten zwei Pandemiejahre nochmals verstärkt worden. «Die Menschen sind zu Hause geblieben und haben eine Aktivität gebraucht, da kam der naheliegende Rhein mit einem eigenen Boot ganz gelegen. Jedoch sind die Plätze am Ufer des Rheins stark begrenzt, daher würde ich mir für die Zukunft mehr Schiffsplätze wünschen, welche aktiv genutzt werden könnten.» Auch was die Ausstattung der Boote betrifft, habe sich in den letzten Jahren enorm viel verändert. «Früher war es fast irrelevant, dass ein Boot eine Bank oder ein Sonnendach hat, heute ist dies eigentlich Standard», so der Bootsbauer. «Auch Aluboote sind in den vergangenen Jahren immer mehr aufgekommen. Sie sind pflegeleicht und sehr praktisch – perfekt für einen Ausflug, um auf dem Rhein oder an einem sonnigen Platz am Ufer zu verweilen.»

Der Rhein als Erholungsort und als Ausgleich zu einem stressigen Alltag. Für die beiden Bootsbauer ist der Rhein nicht nur ein Bestandteil ihres Arbeitsalltages, sondern er bedeutet ihnen noch viel mehr. «Heimat und Leidenschaft sind für uns zwei die wichtigsten Begriffe, welche wir mit dem Rhein in Verbindung bringen», fügen Maurice und Pascal Mändli zum Schluss hinzu.

Schrauben, Schleifen und Zusammenbauen – mit den nötigen handwerklichen Schritten bauen Pascal und Maurice Mändli in einer Saison etwa fünf bis zehn Boote zusammen. Bild: Salome Zulauf, Schaffhausen24
Gemeinsam unterstützen sich Maurice, Sabrina, Pascal (v.l.) und Aline Mändli (nicht auf dem Bild) tagtäglich bei ihren alltäglichen Tätigkeiten. Bild: Salome Zulauf, Schaffhausen24
Salome Zulauf, Schaffhausen24