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Politik
23.05.2022
31.05.2022 14:19 Uhr

Fäsenstaub-Tunnel. Bitte wenden!

Tim Bucher schreibt in regelmässigen Abständen eine Politik-Kolumne im «Bock».
Tim Bucher schreibt in regelmässigen Abständen eine Politik-Kolumne im «Bock». Bild: zVg./ Patrick Stoll Fotografie & Kommunikation
Der Schaffhauser Kantonsrat Tim Bucher (glp) äussert sich in seiner Kolumne über die Pläne für den Bau einer zweiten Tunnelröhre am Fäsenstaub.

Anfang des Jahres veröffentlichte das Bundesamt für Strassen (ASTRA) die Pläne für den Bau einer zweiten Tunnelröhre am Fäsenstaub. Die intensive Lobbyarbeit der Schaffhauser Regierung und unserer politischen Vertreter in Bern zeigte sich erfolgreich. Statt mit einer hitzigen Debatte über Sinn und Unsinn des Projektes reagiert Schaffhausen mit trügerischem Schweigen. Vielleicht liegt dies an den zahlreichen, verheissungsvollen Versprechungen, die mit dem Projekt einhergehen: Weniger Stau, verbesserter Verkehrsfluss, ja gar der Fuss- und Veloverkehr soll mit dem neuen Autobahntunnel entlastet werden. Doch kann ein solcher Neubau all diese Versprechen auch wirklich einhalten? Oder macht man es sich hier zu einfach? 

Wer Strassen säht, erntet Verkehr

In den letzten Jahrzehnten versuchten Bund und Kantone einen Verkehrsengpass nach dem anderen mit Strassenausbau zu bewältigen. Heute musste man jedoch vielerorts zugeben, dass keine zusätzliche Fahrspur, kein Tunnel und keine neue Autobahn die omnipräsenten Verkehrsprobleme in unserem Land wirklich gelöst hätte. Der Stau wurde lediglich bis zum nächsten Engpass verschoben und somit an einem anderen Ort ein neues Problem eröffnet. Wieso versuchen wir also weiterhin mit solch überholten und erwiesenermassen erfolglosen Ansätzen das Verkehrsnetz der Zukunft zu managen?

Negative Auswirkungen

Auch mit Blick auf die Schaffhauser Verkehrssituation wirft das Projekt mehr Fragen auf, als es beantwortet. Ein Beispiel: Die Autobahnzufahrt Schaffhausen-Nord über dem Güterbahnhof soll mit dem Bau der zweiten Fäsenstaub-Röhre aufgehoben werden. Dies wird unweigerlich zu einer Verlagerung des Verkehrs aus dem Emmersberg und dem Gruben-Quartier in die ansonsten schon stark belastete Altstadt führen. Mit knapp einer halben Milliarde wird demnach kein einziges Problem gelöst, sondern lediglich der Streit um den begrenzten Raum in der Altstadt weiter angeheizt. Soll das eine sinnvolle Investition von Steuergeldern sein?

Ganzheitliche Verkehrsstrategie

Es scheint fast so, als hätte die Politik Angst, die eigentlichen Fragen zu stellen: Wie können wir dem steigenden Mobilitätsbedürfnis entgegenwirken und den verbleibenden Verkehr auf nachhaltigere, platz- und ressourcensparende Verkehrsmittel verteilen? Nur die Antwort auf diese Frage bringt eine langfristige Lösung in der Verkehrspolitik. 

An dieser Stelle bin ich zuversichtlich, dass wir mit etwas Mut, Innovation und Weitsicht bessere, zukunftsfähigere Lösungen auf den Tisch bringen können, statt einfach mit Geld aus Bern ein weiteres Loch in einen Berg zu graben. Dafür brauchen wir jedoch zuallererst eine breit abgestützte Debatte. Nicht nur über den Fäsenstaub-Tunnel als solchen, sondern über den Verkehr der Zukunft als Ganzes.

Schaffhausen24