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Gesellschaft
23.05.2022

Hilfe für bedrohte Wildbienen

Glockenblumen sind bei Wildbienen beliebt. Auch Weiden, Körbchenblütler, Schmetterlings-, Lippen- oder Doldenblütler eignen sich sehr gut.
Glockenblumen sind bei Wildbienen beliebt. Auch Weiden, Körbchenblütler, Schmetterlings-, Lippen- oder Doldenblütler eignen sich sehr gut. Bild: zVg.
Natur-Serie Teil 3: Wildbienen sind gefährdet. Das Anlegen bienenfreundlicher Lebensräume könnte das Aussterben verhindern.

Bienen sind die wichtigsten Bestäuber der Blütenpflanzen. Die Wildbienen und Blütenpflanzen haben sich zusammen entwickelt und sind aufeinander spezialisiert. Viele Pflanzen haben sich an ein paar wenige Bestäuber oder sogar an nur eine einzelne Art angepasst. Wenn Wildbienen-Arten aussterben, geht deshalb ein Grossteil der Pflanzenvielfalt ebenfalls verloren. Das Anlegen bienenfreundlicher Lebensräume könnte das Aussterben verhindern.

Wildbienen sind gefährdet

In der Schweiz sind etwa 600 Wildbienen-Arten heimisch, viele davon sind zunehmend bedroht. Die meisten dieser Arten sind auf der Roten Liste. Diese Liste, die von der Weltnaturschutzorganisation zusammengestellt wird, führt gefährdete Pflanzen und Tiere auf und bildet die Grundlage für das richtige Setzen von Prioritäten im Artenschutz. Ungefähr zehn Prozent der darin aufgeführten Wildbienen-Arten sind in den letzten Jahren ausgestorben. Verglichen mit anderen Tiergruppen ist diese Zahl deutlich höher und sehr besorgniserregend. Besonders gefährdet sind die stark spezialisierten Spezies. Insbesondere spätfliegende und wärmeliebende Arten in tiefen Höhenlagen haben es schwer. Für die Förderung müssen bei dieser Gruppe spezifische Massnahmen vorgenommen werden, sodass ihr Habitat den hohen Ansprüchen der Art entspricht.

Anleitung für den eigenen Garten

Das Anlegen bienenfreundlicher Lebensräume kann die Wildbienen fördern und zu einem stabilen Bestand verhelfen. Solche Umgebungen können unter Berücksichtigung weniger Faktoren selbst angelegt werden. Bei der Standortwahl sollte auf die Ausrichtung nach Süden geachtet werden. Viel Sonne und eine naturnahe Umgebung sind wichtige Voraussetzungen für das Wohlbefinden der Wildbienen. Für eine grosse Artenvielfalt auf einer Blumenwiese sind nährstoffarme Böden wichtig. Es ist sinnvoll, den Boden vorher tiefgründig auszustechen und auszumagern. Die Wiese sollte spät gemäht und das Schnittgut weggebracht werden. So gelangen die Nährstoffe nicht zurück in den Boden und die Wiese bleibt mager. 

Bei der Wahl der Blumensamen soll auf eine einheimische Artenzusammensetzung geachtet werden. Der Wildbienen-Garten soll strukturreich und vielfältig angelegt werden. «In ein paar Wochen erscheint die App ‹Beefinder›, welche anzeigt, welche Wildbienenarten in der Umgebung vorkommen und welche Wirtspflanzen sie benötigen», erklärt Sarah Bänziger, Projektleiterin Natur und Landschaft beim Regionalen Naturpark Schaffhausen.

Gefahr durch Neophyten

Einige Wildbienen fliegen bereits im März und die letzten erst im August aus. Somit ist ein möglichst breites Blütenspektrum über die ganze Saison von Vorteil. Je nach Wildbienenart ist die Präferenz jedoch unterschiedlich. Besonders geeignet sind Weiden, Glockenblumen, Körbchenblütler, Schmetterlings-, Lippen- oder Doldenblütler.

Eine Gefahr für die Wildbienen sind invasive Neophyten wie beispielsweise die chinesische Hanfpalme oder der Kirschlorbeer. Die Problematik besteht bei den invasiven Neophyten darin, dass sie durch grossflächige Ausbreitung die natürliche Artenvielfalt stark beeinträchtigen. Gerade bei den Wildbienen ist es wichtig, dass ihre Wirtspflanzen, auf die sie sich spezialisiert haben, vorhanden sind. Ansonsten droht ein Verlust des Nahrungsangebotes und somit ein Verlust der Wildbienenarten. Invasive Neophyten verdrängen einheimische Pflanzen und überwuchern Lebensräume grossflächig. Diese Pflanzen – dazu gehören die Kanadische Goldrute, der Japanknöterich sowie der Sommerflieder – sollten umgehend entfernt werden, da sie für die Biodiversität schädlich sind (der «Bock» berichtete am 22. März).

Unterirdische Wohnungen

Wildbienenhotels sind anschaulich, einfach zu bauen und können das Interesse wecken. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass von solchen Hotels nur etwa fünf Prozent der Wildbienen-Arten profitieren. Gewinnbringend sind die beliebten Bienenhotels insbesondere für Wildbienen, welche in Stängeln und Totholz brüten. Der Löwenanteil der Wildbienen, ungefähr 75 Prozent, brütet jedoch im Boden und wird das Hotel entsprechend nicht aufsuchen. Für die grosse Mehrheit der Spezies können sonnige Plätze, offene Bodenstellen, sandige Flächen und ein breites Blütenangebot mehr bewirken und die natürliche Artenvielfalt unterstützen. An solchen Standorten graben Wildbienen Nestgänge in die Erde und legen am Ende dieser Korridore ihre Brutzellen ab. Solche Gänge können nur wenige Zentimeter tief sein, erreichen aber manchmal auch eine Tiefe von bis zu einem Meter.

Unter pronatura.ch/de/sandlinse-fuer-wildbienen-bauen ist eine Anleitung zum Bau einer Sandlinse für Wildbienen zu finden.

Monatliche Serie

In Zusammenarbeit mit WWF, Pro Natura, turdus und dem Regionalen Naturpark Schaffhausen publiziert der «Bock» eine monatlich wiederkehrende Serie zum Thema «Natur vor der Haustüre». Diese soll das verantwortungsbewusste Verhalten gegenüber der Natur und den Lebewesen im Siedlungsraum thematisieren. Mit Praxisbeispielen wird gezeigt, wie naturnahe Gartengestaltung die Biodiversität (Artenvielfalt) fördert.

Gabriella Coronelli, Schaffhausen24