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Kultur
20.06.2022
28.06.2022 09:18 Uhr

Rhyphilharmonie, wo bist du?

Stéphanie Stamm  schreibt in regelmässigen Abständen eine Kultur-Kolumne im «Bock».
Stéphanie Stamm schreibt in regelmässigen Abständen eine Kultur-Kolumne im «Bock». Bild: zVg.
In ihrer Kolumne schreibt Stéphanie Stamm darüber, wie die Möglichkeiten mit zeitgenössischen Einrichtungen aussehen könnten.

Da sass ich also an Auffahrt in der Rathauslaube im zweiten Festkonzert des 29. Internationalen Bachfests Schaffhausen und sinnierte während Bachs Goldberg-Variationen darüber nach, was ich in meiner ersten Gastkolumne im «Bock» thematisieren soll. Musik, Kunst, Tanz, Literatur, Theater, Cinematographie – es gibt so vieles, was mich interessiert und worüber ich schreiben könnte. «Ein dankbares Thema, dieses weite Feld der Kultur», überlegte ich und liess meinen Blick zum 1624 errichteten Portal schweifen, das die Laube mit der Grossen Ratsstube verbindet. Vor mir auf der Bühne gab das «Concerto Italiano» unter der Leitung von Rinaldo Alessandrini alles, und einmal mehr sah ich mich darin bestätigt, was für ein toller Saal die Rathauslaube für Kammermusik ist.

Ähnliches gilt im St. Johann für grosse Sinfoniekonzerte. Immer wieder höre ich von hier Ansässigen und insbesondere auch von nationalen und internationalen Gast-Ensembles, dass der St. Johann eine schöne Konzertkirche mit toller Akustik sei. Ja, da haben sie recht. Ich höre beispielsweise eine Bach-Passion genauso gerne wie eine grosse Sinfonie von Bruckner, Mahler oder Schostakowitsch. Und doch hat auch der St. Johann seine Schwierigkeiten, die sich in einem denkmalgeschützten Objekt nicht einfach so beheben lassen. Es fehlt an einiger Infrastruktur wie zum Beispiel Toiletten, Garderoben fürs Publikum, mehr Solistenzimmern, an einer fest eingebauten Ticketkasse und natürlich an zusätzlichen Räumen für Konzerteinführungen, für Sponsoren-Apéros oder für moderierte Gespräche mit Künstlerinnen und Dirigenten nach dem Konzert. All diejenigen, die vor allem dem Event-Gedanken kritisch gegenüberstehen, werden nun argumentieren, dass es doch jahrein, jahraus auch ohne Brimborium ging. Das verstehe ich gut, ich sehe mich im Sinne des eigentlichen Konzerterlebnisses auch eher als Puristin, der es reicht, nur Musik zu geniessen. Aber wenn ich als Vermittlerin spreche, dann braucht es gelegentlich diese Nebenveranstaltungen, um eben im Endeffekt bestenfalls auch neue Besucherinnen und Besucher zu gewinnen.

Was können Konzertveranstalter diesbezüglich tun? Behelfsmässig können Bereiche in der Kirche umgenutzt oder Räume in benachbarten Gebäuden angemietet werden, doch langfristig kommt wohl auch Schaffhausen nicht um einen neuen Konzertsaal mit zeitgenössischer Einrichtung herum. Einen ähnlichen Prozess durchlaufen im Moment die Stadt Winterthur und das Musikkollegium Winterthur, das mit seinem Stammhaus, dem Stadthaus Winterthur, auch nicht immer nur glücklich ist. So wird mittlerweile geplant, in der Halle 53, der ehemaligen Grossgiesserei der Firma Sulzer, einen neuen Saal zu bauen. Transferiert man die Idee eines Konzerthauses in einem einstigen Industriebau zu uns, so könnten wir eine Chance haben, die es zu prüfen gilt – im SIG-Areal in Neuhausen.

Schaffhausen24