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Essen & Trinken
25.07.2022

Treffpunkt Trämli

Der nostalgische «Trämli-Sääli» des Bistros ist direkt mit dem Neubau verbunden.
Der nostalgische «Trämli-Sääli» des Bistros ist direkt mit dem Neubau verbunden. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Hier trifft Moderne auf Nostalgie: Seit einem Jahr lädt das Trämli Bistro auf dem ehemaligen Depot-Areal in Siblingen zum Essen und in Erinnerungen Schwelgen ein.

Noch bis im Jahr 1964 fuhr die Strassenbahn StSS von Schaffhausen nach Schleitheim. Eine wichtige Rolle spielte damals das Depot Siblingen – wo auch heute wieder ein Tramwagon steht. Anfang Juli 2021 eröffneten Roger und Priska Meier auf dem ehemaligen Depot-Areal das Trämli Bistro. «Als wir das Areal kauften, war klar, dass ein Teil davon als Gewerbeliegenschaft gebraucht wird. Doch zum historischen Andenken war es früh ein Wunsch, wieder ein Tram-Wägeli hier zu haben», so die beiden Inhaber rückblickend auf die Anfänge.

Einzige Dorfbeiz

Noch allzu gut erinnert sich das Paar an die Lieferung des Wagens: «Innert einer Woche entschieden wir uns für dieses Bahnwägeli aus dem Aare Seeland, das sehr ähnlich ist wie die Wagen der ehemaligen StSS. Beim Transport mit dem Lastwagen kam es zu einem massiven Stau, der mit einem riesigen Presseauflauf verbunden war.» Die Freude war sehr gross, als das Trämli dann endlich auf dem Areal stand. «Was wir daraus machen wollten, wussten wir damals noch nicht genau. Eine Nutzung im Stil Besenbeiz mit Wochenendbetrieb schien realisierbar, darauf wurden die Bauarbeiten ausgerichtet», so Roger Meier. Ausschlaggebend, das Restaurant sechs Tage die Woche offen zu halten, sei zuletzt die Schliessung des Dorfrestaurants Freihof im Februar 2021 gewesen – der letzten Beiz in Siblingen. «Dann ging es sehr schnell. Am 1. Juli eröffneten wir das Trämli als Bistro. Obwohl wir beide keine Erfahrungen in der Gastronomie hatten», erzählt Priska Meier. Aufgrund der Corona-Pandemie sei die Personalsuche schnell erfolgreich verlaufen – und alle Mitarbeitenden sind auch ein Jahr später noch mit Begeisterung dabei. 

Das Engagement, das Priska und Roger Meier – neben deren Haupttätigkeit im eigen Steinmetz-Unternehmen Meier + Lehmann – in das Bistro stecken ist unermüdlich. «Materielle Entschädigung gibt es vorerst nicht für uns. Aber dafür viele gute Begegnungen, Gespräche und begeisterte Menschen», so Roger Meier.

Das engagierte Trämli-Team: Roger Meier, Jasmine Delon (Bistroleiterin), Regula Mezger, Romy Müller (hinten v. l.); Maureen Meyer, Daniela Giambonini (Mitte v. l.); Priska Meier (vorne). Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24

Originalfahrplan von 1964

Neben dem Höhepunkt – den 26 Sitzplätzen im «Trämli-Sääli» – finden im selbst gestalteten Neubau etwa 24 weitere Personen Platz. Draussen laden eine Terrasse, eine Feuerstelle sowie ein alter Lastwagencontainer zum Verweilen ein. An nostalgischer Dekoration wird nicht gespart: Ob alte Lampen, ein Originalfahrplan von 1964, die Stromanzeige aus einer StSS oder dem Geländer, das in Trämliform gestaltet wurde – Roger und Priska Meier legen Wert auf Details. Auch erhalten alle Gäste ein Billett, das geknipst wird. Und wer Glück hat, darf gar eine kurze «Tucker-Fahrt» im Trämliwagen miterleben. «Wir haben immer wieder neue Ideen und Visionen», so die beiden Inhaber.

Das Trämli Siblingen hat sich bereits als Stammbeiz für Vereine etabliert. «Ob die Feuerwehr oder Musik- und Sportgruppen – es kommt eigentlich jeden Abend ein Verein zu uns», so Roger Meier. Tagsüber kehren immer wieder Wander- und Velo-Gruppen ein. «Unser Credo beim Angebot ist ‹klein aber fein› – so wie unsere Küche», erklärt Priska Meier schmunzelnd mit Blick auf den kleinen Raum mit einer Herdplatte und Multifunktional-Steamer. Täglich gebe es ein Mittagsmenü, ab 14 Uhr herrscht Bistrobetrieb mit kalten Plättli, Wurst-Käse-Salat und weiteren süssen oder salzigen Snacks. Die meisten Zutaten werden im Dorfladen nebenan oder beim Metzger im Nachbardorf bezogen. 

Nach einer von der Corona-Pandemie geprägten Anfangszeit laufe das Bistro seit diesem Frühling wirklich gut, wie die Inhaber bestätigen. «Immer wieder kommen auch Gäste ins Trämli, die meinen es sei ein Museum», sagt Priska Meier. «Und natürlich darf man bei uns auch nur luege.»

  • An nostalgischer Dekoration wird im Trämli Bistro nicht gespart. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
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  • Das «Trämli-Sääli» bietet 26 Sitzplätze. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
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Lara Gansser, Schaffhausen24