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Gesellschaft
15.08.2022

«Er ist ein Glücksfall»

Tauschen sich monatlich über die Zusammenarbeit am Integrationsarbeitsplatz aus: Job Coach Jens Förster, Mitarbeiter Thomas sowie die Arbeitgeber Ruedi und Prisca Widtmann (v. l.).
Tauschen sich monatlich über die Zusammenarbeit am Integrationsarbeitsplatz aus: Job Coach Jens Förster, Mitarbeiter Thomas sowie die Arbeitgeber Ruedi und Prisca Widtmann (v. l.). Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Im Rahmen des Inklusionsangebots beschäftigen Ruedi und Prisca Widtmann seit April einen Mitarbeitenden der altra. Ein Besuch auf dem Hof zeigt, dass Thomas eine Bereicherung für die beiden ist. Mit dem Angebot unterstützt die altra schaffhausen Mitarbeitende, die im ersten Arbeitsmarkt im geschützten Rahmen Fuss fassen wollen.

Es herrscht eine freundliche, familiäre Atmosphäre auf dem Bio-Hof von Prisca und Ruedi Widtmann auf der Breite in Schaffhausen. Am Mittwochmorgen beim Besuch des «Bocks» wird bereits fleissig gearbeitet – und sich rege über die am heutigen Tag anstehenden Arbeiten ausgetauscht. 

Seit Anfang April arbeitet Thomas auf dem Hof der Widtmanns – der 50-Jährige kam über das Angebot für Inklusionsarbeitsplätze der altra zu diesem Job. «Die letzten zwei Jahre war ich intern im Löwenstein vor allem im Gemüsebau tätig», so der gelernte Landschaftsgärtner im Interview mit dem «Bock». Diese Arbeit habe ihm die Basis gegeben, mit welcher er nun in den ersten Arbeitsmarkt gestartet ist. «Für uns ist Thomas ein Glücksfall und eine grosse Bereicherung. Er bringt viel Wissen mit und sieht selbst, wo es Arbeit gibt», so Ruedi Widtmann. Er und seine Frau kümmern sich neben den Feldern im Eschheimertal und auf dem Griesbach um das Hof-Lädeli, in dem sie ihre Bio-Produkte verkaufen. 

Arbeiten im geschützten Rahmen

Inklusionsarbeitsplätze sind geschützte Arbeitsplätze im ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit einer IV-Rente, die durch eine Fachperson begleitet und betreut werden. «In Zusammenarbeit mit dem kantonalen Sozialamt unterstützt die altra ihre Mitarbeitenden, die den Wunsch haben, im ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten, aber weiterhin auf einen geschützten Rahmen angewiesen sind, in der Umsetzung», so Jens Förster. Als Job Coach unterstützt und begleitet er die Mitarbeitenden und die Arbeitgeber bei der Realisierung dieser Arbeitsplätze – von Vorabklärungen und Kontakten zu Behörden über das Erstellen der Arbeits- und Zielvereinbarungen, die Planung von regelmässigen Standortgesprächen und die Unterstützung am Arbeitsplatz bis hin zur Auflösung oder Änderung des Arbeitsverhältnisses. Momentan sind neun Mitarbeitende der altra im ersten Arbeitsmarkt tätig, drei weitere beginnen diesen Herbst. «Und nochmals knapp sieben unserer Leute würden gerne <draussen> arbeiten», so Jens Förster, der weiterhin auf viele Betriebe aus verschiedenen Branchen hofft. «Das Interesse ist da, jetzt muss es einfach noch richtig anlaufen.» Im Jahr 2017 startete das Pilotprojekt und seit 2019 ist das Angebot ein fixer Bestandteil der altra. «Vor einer Anstellung ist es uns zudem ein Anliegen, dass die Mitarbeitenden im Betrieb schnuppern können – damit sich Arbeitgeber und -nehmer auch auf persönlicher Ebene kennenlernen», ergänzt er. So sei es auch bei Thomas abgelaufen: Den gesamten März nutzte er zum Schnuppern, per 1. April wurde er dann offiziell angestellt. Auf persönlicher Ebene passte es zwischen Thomas und den Widtmanns von Anfang an sehr gut. «Einerseits lernen wir viel voneinander, andererseits schätzen wir auch die offenen Gespräche und den Humor von Thomas beim gemeinsamen Zmittag», führt Prisca Widtmann aus.

Win-win-Situation

Auf dem Hof von Ruedi und Prisca Widtmann werden noch alle Arbeitsschritte selber gemacht – vom Ackerbau über das Waschen und Trocknen des Getreides bis zum Verkauf. «Wir haben neben Getreide und Kartoffeln viele spezielle Kulturen wie Hirse, Linsen, Leindotter Buchweizen, Körnerhanf, oder Kichererbsen», erklärt Ruedi Widtmann. Dementsprechend seien die Tätigkeiten auf dem Hof der Widtmanns sehr vielfältig – das, was Thomas besonders an seiner Arbeit schätzt. «Besonders Freude machen mir auf jeden Fall das Holzen und die Traktorarbeiten», meint der 50-Jährige, der mit einem 60-Prozent-Pensum auf dem Hof angestellt ist. Als Vorbereitung habe er gar noch einen Traktorkurs belegt. «Sein Engagement ist sehr gross, das bewundern wir», so Prisca Widtmann. Für Jens Förster ist genau das die Win-win-Situation, die er sich von den Inklusionsarbeitsplätzen wünscht. «So wie es hier läuft, das ist natürlich der Idealfall. Der Mitarbeiter kann sich einbringen und weiterentwickeln – und ist gleichzeitig eine Unterstützung und geschätzte Arbeitskraft für den Arbeitgeber», führt der Job-Coach aus. Dazu meint Thomas abschliessend: «Für mich ist besonders schön, dass ich hier nicht wie ein IV-Bezüger oder sonst speziell behandelt werde.» Über den Schlüssel zu der erfolgreichen Zusammenarbeit sind sich alle vier einig: eine offene und ehrliche Kommunikation. 

Lara Gansser, Schaffhausen24