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Gesellschaft
29.08.2022
29.08.2022 16:13 Uhr

Wenn Eltern streiten und Kinder leiden

Ziel des Programms ist es, Kinder von streitenden Eltern zu entlasten.
Ziel des Programms ist es, Kinder von streitenden Eltern zu entlasten. Bild: pexels.com
Das neue Programm «Kinder aus der Klemme» richtet sich an Familien, in denen Kinder – oft still – unter den Trennungskonflikten der Eltern leiden.

Loyalitätskonflikte, stilles Leiden, seelische Not – viele Kinder haben zu kämpfen mit den Trennungskonflikten ihrer Eltern. Wird nicht gehandelt, kann das schwerwiegende Folgen für das Kind haben, von Entwicklungsstörungen bis zu Suchtproblemen. Ein neues Gruppenangebot soll nun in Schaffhausen Anklang finden. «Kinder aus der Klemme» verfolgt einen Ansatz, bei dem sich Eltern mit ihrer strittigen Situation auseinandersetzen und sich darüber bewusstwerden, welch negativen Einfluss diese auf ihr Kind haben kann. 

Die Initiantinnen sind Johanna Gross-Eichenberger und Carmen Leible. Beide bieten in ihren Praxen in Schaffhausen Familienbegleitungen an – und sehen einen Bedarf für ein solches Angebot. «Es kommt immer wieder vor, dass Eltern jahrelange Rechtsstreits führen oder mit allen Mitteln um das Besuchsrecht der Kinder kämpfen.» Diese Streitigkeiten führen teils auch dazu, dass die Kinder nur noch bei einem Elternteil aufwachsen. «Unser Ziel ist es, die Kinder zu entlasten. Sie sollen sich im Machtkampf der Eltern nicht einordnen müssen», führt Carmen Leible aus. 

Neues Programm aus Holland

Zusätzlich zu ihrer sozialpädagogischen Ausbildung haben die Initiantinnen die Fortbildung «Kinder aus der Klemme» absolviert. 

Im Kanton Schaffhausen ist «Kinder aus der Klemme» das erste parallele Gruppenangebot, das sowohl den Eltern als auch den Kindern Unterstützung bietet. Seinen Ursprung hat das Programm in Holland. Trotz vielen Angeboten, die sich auf die Paarproblematik oder auf das Kind beziehen, habe es in der Schweiz bis anhin nichts gegeben, was das Kind und die Eltern am gleichen Ort unterstützt. Einerseits werde eng mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), der Berufsbeistandschaft und weiteren Behörden zusammengearbeitet, andererseits können sich die Familien auch auf eigene Initiative anmelden. 

Bei dem neuen Programm wird in einer Eltern- sowie einer Kindergruppe gearbeitet, betreut durch insgesamt fünf Personen. «Im Mittelpunkt stehen immer die Kinder, die wieder gehört werden sollen», erklärt Johanna Gross Eichenberger. In dem Kurs gehe es vor allem darum, das Bewusstsein der Eltern zu wecken und sie mit der Situation zu konfrontieren, auch der Austausch untereinander wird gefördert. 

Das Netzwerk einbeziehen

«Die Kinder wissen oft nicht, warum es ihnen schlecht geht», so Carmen Leible. «Ziel ist es, die Bedürfnisse der Kinder zurück ins Alltagsbewusstsein ihrer Eltern zu bringen.» Beim Programm «Kinder aus der Klemme», das in der Schweiz erstmals im Kanton Solothurn als Pilotprojekt durchgeführt wurde, habe sich der Einbezug des familiären Netzwerks als besonders wirksam gezeigt. Das bedeutet: Alle Teilnehmenden, Kinder und Eltern, suchen sich einen «Buddy», der oder die sie bei der Umsetzung in der Praxis unterstützt –regelmässig nehmen die Buddys auch selbst an den Netzwerktreffen teil. «Der Ansatz ist neu und anders als bei allem, was bisher angeboten wurde», so Johanna Gross-Eichenberger. Damit der Kurs durchgeführt wird, müssen mindestens sechs Elternpaare angemeldet sein. 

Am Donnerstag, 1. September, findet ein Infoabend in der Stadtrandschule statt. Weitere Infos zum Kurs sind auf kinderausderklemme-sh.ch zu finden.

Die Initiantinnen Johanna Gross-Eichenberger (l.) und Carmen Leible. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Lara Gansser, Schaffhausen24