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Gesellschaft
19.09.2022

Wie aus Stummfilmen

In der Praxis von Dunja’s World geht es um Jenseitskontakte, Kartenlegen, Rückführungen und Meditation.
In der Praxis von Dunja’s World geht es um Jenseitskontakte, Kartenlegen, Rückführungen und Meditation. Bild: Gabriella Coronelli, Schaffhausen24
Dunja Longo ist ein Medium mit Spezialisierung auf Jenseitskontakte. Was viele als Hokuspokus bezeichnen, ist das Resultat einer umfangreichen Ausbildung.

Ein Medium soll Botschaften aus der geistigen Welt empfangen können. Dunja Longo aus Eglisau ist ein solches Medium. Seit über 20 Jahren wird sie von Hinterbliebenen aufgesucht, die Nachrichten von Verstorbenen erhalten möchten. «Ich war schon immer an Spiritualität interessiert», erzählt die 44-Jährige. Schon als Jugendliche faszinierten sie geistige Themen, die verschiedenen Religionen und esoterische Fragestellungen.

Was passiert danach?

Ein einschneidendes Ereignis war der frühe Tod ihrer Mutter, zu welcher sie ein sehr inniges Verhältnis pflegte. Die damals 20-jährige Dunja Longo begann nach diesem Erlebnis ihre tiefe Trauer zu verarbeiten und suchte nach Antworten. Sie verschlang reihenweise Bücher zum Thema Tod. Insbesondere wollte sie herausfinden, was mit der Seele von Verstorbenen geschieht. Bedeutet der Tod auch, dass die Seele stirbt?

Die Seelenflüsterin, die ohne feste Religion aufwuchs, kam irgendwann über Umwege mit einem Medium in Berührung und erlebte ihren ersten Jenseitskontakt. «Trotz meiner anfänglichen Skepsis hat diese Sitzung mein Leben nachhaltig verändert. Ich bekam nicht nur Antworten auf meine Fragen, sondern es erwachte in mir der Wunsch, selbst in diesem Berufsfeld tätig zu sein. Ich wünschte, dass viel mehr Menschen diese Heilung verspüren, die ich erleben durfte», erinnert sich die Unternehmerin.

Von Berufung zu Beruf

Die Neugier der wissensdurstigen Eglisauerin war geweckt, der Drang nach einer Ausbildung im geistigen Bereich omnipräsent. So begann sie in den frühen 2000er-Jahren eine dreijährige Ausbildung zum Medium. Viele Fortbildungen und unzählige Seminare folgten. Sie erweiterte ihr Wissen mit weiteren spirituellen Themen, wie dem Kartenlegen oder den Rückführungen. «Ich habe Zeit meines Lebens nach meiner Berufung gesucht und sie in der Arbeit als Medium gefunden», verrät die zweifache Mutter. Als junge Erwachsene hatte sie in verschiedenen Branchen gearbeitet, doch nichts davon hatte sich richtig angefühlt. «Während der Ausbildung zum Medium fühlte ich das erste Mal, dass ich beruflich angekommen bin. Dies, obschon ich nicht geplant hatte, jemals in diesem Beruf zu arbeiten. Ich wollte die Ausbildung einfach nur für mich machen». 

Gemischte Klientel

Gemäss Dunja Longo ist sie als Medium in der Lage, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen und deren Nachrichten an die Hinterbliebenen zu vermitteln. «Ich kann die Verstorbenen sehen und kommuniziere über Gedanken und Emotionen mit ihnen. Die geistige Welt antwortet mir in einer symbolischen Sprache. Es ist mit den Bildern aus Stummfilmen vergleichbar». Von grosser Wichtigkeit sei, dass sie vorab keinerlei Informationen über die Verstorbenen erhält. 

Ihre Klientel ist bunt gemischt: vom Hausmann bis zur Karrierefrau, vom jungen Erwachsenen bis zur Grossmutter. Dass sie mit Toten kommunizieren kann, ist für sie gleichermassen Gabe und Privileg. Eine Befähigung, die ihrer Ansicht nach in jeder Person steckt. «Alle besitzen von Geburt an diese Feinfühligkeit. Doch nicht alle haben das Interesse, sie weiterzuentwickeln», ist die Nachrichtenvermittlerin überzeugt. Für sie ist es nicht ausschliesslich eine Berufung: Vielmehr ist es die Mischung aus Interesse, einer natürlichen Begabung und der entsprechend vertieften Ausbildung. 

Kooperation mit Behörden

Dunja Longo geht mit ihrem Beruf offen um und kommuniziert ihn direkt. Die Reaktionen reichen von aufgeschlossen bis zurückweisend. Mit despektierlichen Bemerkungen wird sie gelegentlich auch konfrontiert. In vereinzelten Fällen nütze es dann wenig, wenn sie verrät, dass sie für die Aufklärung diverser Delikte mit der Polizei kooperiert und ihren Anteil an die Aufklärung der Fälle beiträgt. «Eine gewisse Skepsis ist nachvollziehbar. Ich selbst stand diesen Themen ursprünglich auch kritisch gegenüber. Die beste Voraussetzung für eine Sitzung in meiner Praxis ist die Mischung aus Skepsis und Offenheit». 

Dunja Longo empfängt in ihrer Praxis seit über 20 Jahren Kundschaft, die herausfinden möchte, was es mit diesen geistigen Themen auf sich hat. Zwischenzeitlich leitet die bodenständige Eglisauerin selbst spirituelle Kurse und Seminare im In- und Ausland. Der Glaube an übersinnliche Themen bleibt eine individuelle Ansichtssache. Der Nachfrage nach zu urteilen, scheint es ein Dauerthema zu bleiben, oder wie es die Vermittlerin zwischen Himmel und Erde beschreibt: «Der Bauch ist jeweils der beste Kompass».

Gabriella Coronelli, Schaffhausen24