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Wirtschaft
21.11.2022
21.11.2022 18:04 Uhr

«Die Stimmung ist verhalten positiv»

Der Konjunkturbericht der Region Schaffhausen für das Jahr 2022 zeigt, dass sich die lokalen Unternehmen auf Erholungskurs befinden, wie Marcel Fringer, Präsident des Kantonalen Gewerbeverbands (KGV) Schaffhausen, an der Pressekonferenz erläuterte.
Der Konjunkturbericht der Region Schaffhausen für das Jahr 2022 zeigt, dass sich die lokalen Unternehmen auf Erholungskurs befinden, wie Marcel Fringer, Präsident des Kantonalen Gewerbeverbands (KGV) Schaffhausen, an der Pressekonferenz erläuterte. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Schneller als erwartet erholen sich die lokalen Unternehmen von der Coronapandemie und dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Dies zeigen die Ergebnisse des jährlichen Konjunkturberichts. Insbesondere die Industriebranche zeigt sich resistent.

Erst war es die Coronapandemie, welche die Welt beschäftigte, dann der ausgebrochene Krieg in der Ukraine. Auch die Wirtschaft in der Region bekam dies zu spüren, was sich negativ auf deren Geschäftsgangindex auswirkte – insbesondere im Tourismus und Autogewerbe. Anders als in den beiden Vorjahren konnten sich die Schaffhauser Unternehmen jedoch erstmals wieder deutlich erholen. «Mit wenigen Ausnahmen weisen die Branchen einen, teils leicht verhaltenen, positiven Geschäftsgang aus. Vor allem die Industrie ist resistent», so Marcel Fringer, Präsident des Kantonalen Gewerbeverbands Schaffhausen (KGV). Gemeinsam mit Martin Vogel, Vizepräsident der Industrie- und Wirtschaftsvereinigung Schaffhausen (IVS) präsentierte er vergangene Woche den Konjunkturbericht 2022/23 der Region Schaffhausen. 

Wirtschaft sehr anpassungsfähig

Alles in allem sehe das Jahr 2022 erfreulich aus und die lokale Wirtschaft stehe solide dar, wie Marcel Fringer ausführt. «Und dies obwohl mitten in die Erholung von der Corona-Krise der Ukraine-Krieg platzte.» Jedoch seien neue Herausforderungen entstanden: Allen voran der Fachkräftemangel, aber auch Lieferengpässe, die Energieversorgung sowie die Inflation machen den Unternehmen zu schaffen. 

Die Auswertung der Umfrage, an der 172 Unternehmen aus der Region teilgenommen haben, ergibt je nach Fragestellung branchenspezifisch ein sehr unterschiedliches Bild. «Die Schweizer Wirtschaft ist eine der anpassungsfähigsten», sagt Martin Vogel. «Viele Unternehmen haben gemerkt, dass sie nicht immer überall auf der Welt einkaufen können», ergänzt Marcel Fringer. Dadurch verlagere sich die Produktion von den günstigen Standorten mehr zurück in die Schweiz.

Dementsprechend sind dort die erfreulichsten Entwicklungen erkennbar, gefolgt von der Transport- und Logistikbranche sowie dem Detailhandel. Negative Ergebnisse müssen das Autogewerbe und das Gesundheitswesen verkraften. 

Grössere Nachfrage, steigende Preise

Mit Blick auf das Jahr 2023 rechnen jedoch weitere Unternehmen mit eher sinkenden Geschäftsgängen, dies da der Krieg in der Ukraine weitergehe und Corona sowie erneute Massnahmen womöglich im Herbst wieder spürbar werden. Die weitere Analyse zeigt: Die Inflation wird die weltweite Wirtschaft noch eine Zeit lang beschäftigen und die Preise steigen lassen. Zwei gegenläufige Trends prägen das ökonomische Umfeld. Einerseits nehmen Nachfrage, Aufträge und Umsätze zu, andererseits steigen Löhne, Einkaufs- sowie Energiepreise. «Die Ergebnisse decken sich mit der weltweiten Ansicht. 2023 ist aufgrund der Unsicherheit sicherlich mit Zurückhaltung zu bewerten», so Marcel Fringer abschliessend. Auch hier zeige sich die Industrie jedoch weit zuversichtlicher als das Gewerbe.

Nachgefragt bei Marcel Fringer

«Bock»: Das Jahr 2022 hat mit der Pandemie und dem Krieg begonnen. Welche Faktoren tragen dazu bei, dass sich die wirtschaftliche Lage der Schaffhauser Unternehmen im Vergleich zu den Vorjahren trotzdem verbessert hat?

Marcel Fringer: Es hat in der Pandemie grosse Branchenunterschiede gegeben. Einzelne Branchen haben von der Pandemie absolut profitiert und konnten ihre Geschäftsergebnisse dadurch steigern. 82 Prozent der Schaffhauser Unternehmen haben während der Pandemie normal weitergearbeitet. Eine wichtige Stütze in dieser Zeit waren sicherlich die Bauwirtschaft und die Industrie. Im Laufe des Jahres hat aus meiner Sicht auch ein Nachholeffekt beim Privatkonsum eingesetzt.

Wie sind die Prognosen für das kommende Geschäftsjahr?

Fringer: Das nächste Jahr wird vom Gewerbe und der Industrie etwas verhalten beurteilt. Ich bin der Meinung, dass alles von der zukünftigen weltpolitischen Lage abhängt. Die Preissteigerungen, die Inflation, die Lieferengpässe und der Fachkräftemangel werden 2023 die grossen Herausforderungen bleiben.

Lara Gansser, Schaffhausen24