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Wirtschaft
26.01.2021

Die Menschen im Fokus

Die Arbeitnehmenden in der altra schaffhausen können in vielen Tätigkeitsfeldern arbeiten. Wenn der Wunsch nach einer Weiterentwicklung aufkommt, werden sie vom Unternehmen ihren Fähigkeiten entsprechend tatkräftig unterstützt.
Die Arbeitnehmenden in der altra schaffhausen können in vielen Tätigkeitsfeldern arbeiten. Wenn der Wunsch nach einer Weiterentwicklung aufkommt, werden sie vom Unternehmen ihren Fähigkeiten entsprechend tatkräftig unterstützt. Bild: Peter Schäublin, 720 Grad GmbH, Thayngen
Menschen mit Beeinträchtigungen finden in der altra nicht nur eine Arbeitgeberin mit viel Gestaltungsspielraum, sondern auch mit Herz für ihre Belegschaft.

Die altra schaffhausen ist mit ihren 600 Beschäftigten, davon rund 400 Personen mit einer Beeinträchtigung, eine der grössten Arbeitgeberinnen in der Region Schaffhausen. Das Unternehmen ist im Industriebereich für verschiedene Auftraggeberinnen und Auftraggeber in den Sparten Pharma, Mechanik, Lebensmittelabfüllung, Elektro- und Industriemontage sowie Mailings und Versandarbeiten tätig. Zudem bildet die altra durchschnittlich 50 Lernende in verschiedensten Berufsbildern aus und bietet 58 Menschen einen Wohnplatz. Einen hohen Stellenwert besitzen auch die beiden Grünbereiche, der Bio Bauernhof Löwenstein und die Bio Gärtnerei Neubrunn. Doch die altra ist nicht nur für ihre hochwertige Arbeitsleistung bekannt: Das Ziel des Unternehmens ist, Menschen mit einer Beeinträchtigung in der Arbeitswelt und der Gesellschaft zu integrieren. So können sie am Erwerbsleben teilnehmen. Eine Vielfalt an Angeboten des Unternehmens wie beispielsweise die Geschützten Arbeitsplätze, die Geschützte Beschäftigungsstätte oder Integrationsarbeitsplätze bei Partnerfirmen, soll dieses Ziel auch möglich machen.         

Sich nützlich und wertvoll fühlen

So gross die Vielfalt und Möglichkeiten für die Belegschaft sowie für die Kundschaft beim Schaffhauser Traditionsunternehmen auch sind, etwas gemeinsames weisen alle Angebote auf: Die Arbeitnehmenden, deren Wünsche und Träume stehen im Fokus. Hinter dem fitten Industriebetrieb steckt also viel mehr – und zwar Herz, erklären Sven Stückmann, Leiter Marketing, Verkauf und Kommunikation, sowie Sonja Anderegg, Leiterin Fachbereich Integration, Wohnen und Beschäftigungsstätte. «Hier drinnen findet eine Weiterentwicklung statt. Hier werden die Personen gefördert. Sie erhalten die Möglichkeit, etwas zu lernen, auch auf unterschiedlichen Ebenen», so Sonja Anderegg. Dabei arbeitet die altra nach dem lösungsorientierten Ansatz. «Die Gesellschaft hat immer noch das Bild von der geschützten Werkstätte vor Augen, in der einfach nur beeinträchtige Personen arbeiten. Es ist aber längst nicht mehr so. Es gibt viele normalbegabte Menschen mit einer Invaliden-Rente, die bei uns einen Arbeitsplatz haben, weil sie draussen mit dem Druck nicht umgehen können.»

Die altra bietet für Menschen mit einer körperlichen, kognitiven und psychischen Beeinträchtigung einen ergänzenden Arbeitsmarkt, da jeder Mensch ein Recht auf Arbeit hat. Aber nicht jede Person findet eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt. So erhalten sie in den altra-Werkstätten – unter anderem bei den Geschützten Arbeitsplätzen sowie der Geschützten Beschäftigungsstätte – einen Ort, an welchem sie sich wertgeschätzt fühlen und einen wertvollen Beitrag leisten. Dabei erleben die Beschäftigten bei der Herstellung von Produkten, welche die Gesellschaft braucht, eine sinnstiftende Arbeit in einem Team, in dem sie unterstützt werden und in ihrem eigenen Tempo arbeiten können. Den Angestellten stehen zahlreiche Arbeits- und Lehrplätze in den Bereichen Pharma, Büro, Schreinerei Holzwerk, Elektromontage, Landwirtschaft und vielem mehr zur Verfügung. 

 

«Hier werden die Personen gefördert.»
Sonja Anderegg, Mitglied der Geschäftsleitung

Vielfalt an Möglichkeiten

Doch wie läuft das genau ab, wenn eine Person mit einer Beeinträchtigung in der altra arbeiten möchte? «Am Anfang schauen wir, wo die Interessen der Person liegen. Welche Fähigkeiten hat sie und was will die Person innerhalb der altra erreichen? Wir zeigen ihr dann die Vielfalt an Möglichkeiten auf», erklärt Sven Stückmann. Wenn der Wunsch nach einer Veränderung da ist, kann jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter die Abteilung wechseln. «Manchmal braucht es Zeit, um zu merken, wo die Stärken der einzelnen Menschen liegen», sagt Sonja Anderegg. «Sehr oft haben sie eine Inselfähigkeit. Sie mit ihrem Können dann am richtigen Ort zu platzieren, hilft ihnen Erfolge zu haben, dies ist eine Stärke der altra.» Wichtig sei dabei, dass sie eine Kontinuität und Stabilität erfahren und in einer Abteilung arbeiten, wo sie sich sicher, wohl und angenommen fühlen. Vertrauen erfahren und geben ist dabei ein Schlüsselkonzept. «Der Wunsch, die Ziele von jemandem und ihre intrinsische Motivation [die innere, aus sich selbst entstehende Motivation, Anm.d.Red.] stehen bei uns im Vordergrund», so Sonja Anderegg. 

Ob jemand einen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt sucht, einen internen Wechsel anstrebt oder eine Weiter- beziehungsweise Ausbildung absolvieren will: Die persönlichen Entscheidungen werden ernst genommen und jede Person erhält die Chance, sich so zu entwickeln, wie er oder sie möchte. Dabei steht den Mitarbeitenden auch ein Job-Coaching zur Verfügung.  «Viele schätzen hier den Gestaltungsspielraum und die Freiheiten, welche die altra allen Mitarbeitenden gibt», erklärt Sonja Anderegg. Die altra hat in Bezug auf die individuellen Weiterentwicklungen immer wieder Erfolgsfälle zu verzeichnen.

Kolumne wird Einblick bieten

Von April bis Dezember publiziert der «Bock» Gastkolumnen von der altra. Dabei werden Menschen aus der altra in den Fokus gesetzt, die sich in der altra entwickeln möchten und einen Traum verfolgen. Es geht darum, die Gesellschaft und Wirtschaft auf diese Träume aufmerksam zu machen und die vielen Erfolgsgeschichten, welche die Menschen in der altra erleben, mit einem breiten Publikum zu teilen. In dieser Kolumne erfährt die Leserschaft, wie es der altra gelingt Wünsche und Träume in Erfahrung zu bringen.

Nathalie Homberger, Schaffhausen24