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Politik
14.07.2020

«Ich gehe mit einem zufriedenen Gesicht»

Hans Rudolf Stamm führte 14 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde Schleitheim. Er blickt auf seine Zeit als Gemeindepräsident zurück.
Hans Rudolf Stamm führte 14 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde Schleitheim. Er blickt auf seine Zeit als Gemeindepräsident zurück. Bild: Nathalie Homberger, Schaffhausen24
Hans Rudolf Stamm erzählt von seiner Zeit als Gemeindepräsident von Schleitheim.

Schleitheim verliert auf Ende Jahr einen Politiker, der vor 21 Jahren in den Gemeinderat eintrat und seit 14 Jahren die Geschicke des Dorfes führt. Hans Rudolf Stamm tritt Ende August bei den Gesamterneuerungswahlen für das Gemeindepräsidium nicht mehr zur Wiederwahl an. Der 66-Jährige ist mit dem Dorf stark verbunden: Er ist hier geboren und lebte – mit Ausnahme von einem Jahr während einer landwirtschaftlichen Ausbildung – immer dort. Die Nähe zur Natur und die gut funktionierende Infrastruktur gefällt dem scheidenden Gemeindepräsidenten am besten an seiner Gemeinde.

Übrige Zeit noch nutzen

Hans Rudolf Stamm hegte eigentlich nie die Absicht, Schlaatemer Gemeindepräsident zu werden. «Mein Vorgänger gab damals den Rücktritt, und ich musste als Vizepräsident die Amtsgeschäfte führen. Ich dachte mir, wenn ich die Aufgaben sowieso ausführen muss, kann ich mich gleich zur Wahl stellen.» Nun will er auf Ende Jahr einer jüngeren Person die Chance geben, bei der zukünftigen Entwicklung der Gemeinde im Randental mitzubestimmen. Urs Fischer stellt sich dafür zur Wahl. «Er wird das sicher gut machen. Solange ich noch im Amt bin, schliesse ich die Geschäfte aber so gut wie möglich ab», erklärt Hans Rudolf Stamm. Bis Ende Jahr will er die Subventionszusicherung für eine geplante Teerstrasse ausserhalb des Baugebiets in der Flur realisieren lassen. Zudem gilt es noch, die Wasserlieferverträge mit anderen Gemeinden abzuschliessen und einen Vorschlag für die Besoldung des Gemeinderats durchzubringen. «Ich werde die Zeit auch noch nutzen, um mich so gut wie möglich einzubringen.»

Für die Zukunft seines Dorfes wünscht sich das Gemeindeoberhaupt, dass die Einwohnerzahl statisch bleibt, was er vor allem an der Erhaltung der guten Verbindungen im öffentlichen Verkehr ausmacht. «Wir sind zwar im Grünen und haben eine gute Infrastruktur», so Hans Rudolf Stamm, «aber die Distanz zum Zentrum des Kantons ist nach wie vor ein entscheidender Faktor.» Auch hofft der Schleitheimer, dass die gute Stimmung innerhalb der Dorfbevölkerung beibehalten wird. «Wir hatten eigentlich immer eine gute Zustimmung für die Projekte, die vorgeschlagen wurden.» Wünschenswert wäre jedoch eine höhere Teilnehmendenzahl der Stimmberechtigten an den Gemeindeversammlungen.

Geistig auf Rücktritt vorbereitet

Das Amt des Gemeindepräsidenten erachtet Hans Rudolf Stamm als hochinteressant, vielfältig und umfangreich. «Es beansprucht einen zwar, aber hält auch auf Trab», sagt der Schleitheimer. «Aber das konnte ich immer gut kompensieren, wenn ich meinen Hobbys wie dem Schreinern und Velofahren nachging, oder wenn ich Ferien hatte.» Doch auch in seiner Freizeit war der 66-Jährige immer mit seinen Gedanken bei der Führung der Gemeinde. Ein Problem zu lösen gibt es immer. Nebst seiner Tätigkeit im Gemeinde­präsidium arbeitet der Politiker auf dem Landwirtschaftsbetrieb mit, den er seinem Nachbarn verpachtet. «Ich habe auch noch 25 Rinder auf dem Hof, die ich täglich betreue.»

Er hat sich geistig bereits auf sein Scheiden aus dem Amt vorbereitet. Was er vermissen wird, ist die für ihn sehr gute Zusammenarbeit mit dem gesamten Team auf der Gemeindeverwaltung und im Gemeinderat. «Am meisten wird mir das Nachtessen nach den Sitzungen fehlen», erklärt Hans Rudolf Stamm mit einem Lachen. Auch nach seinem Rücktritt ist der Schleitheimer bereit, bei offenen Fragen anderen Leuten beratend zur Seite zu stehen. Die Termine wird er jedenfalls nicht vermissen. «Das war etwas, das mich mit zunehmendem Alter ein wenig mehr gefordert hat.»
Als Hans Rudolf Stamm im Gemeinderat Einsitz nahm, befand sich das Randentaldorf in einer miserablen finanziellen Situation, da die Finanzierung der Kanalisation zu Lasten der Gemeinde beschlossen worden war. Unter der Führung des Gemeindeoberhaupts konnte Schlaate diese Zeit überstehen und schaffte es auch, die gute Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Alles, was machbar war, setzte der Scheidende in seiner Amtszeit um. Nach seinem Rücktritt widmet sich Hans Rudolf Stamm vermehrt seinen Hobbys, wird mehr Ferien mit seiner Frau machen und weiterhin auf dem Landwirtschafts­betrieb arbeiten. «Ich gehe mit einem zufriedenen Gesicht», erklärt der 66-Jährige. «Mir ist eine gut funktionierende Gemeinde wichtig – und das haben wir.»

Nathalie Homberger, Schaffhausen24