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Kultur
17.09.2021

Der Munot gewinnt den Deutschen Lichtdesign-Preis

Wegen der «exzellenten Fassadenbeleuchtung ohne Lichtverschmutzung» hat der Munot den Deutschen Lichtdesign-Preis gewonnen.
Wegen der «exzellenten Fassadenbeleuchtung ohne Lichtverschmutzung» hat der Munot den Deutschen Lichtdesign-Preis gewonnen. Bild: zVg./ Bruno Sternegg
Für die neue Fassadenbeleuchtung des Schaffhauser Wahrzeichens wurde Atelier Dreher aus Flurlingen mit dem diesjährigen Deutschen Lichtdesign-Preis ausgezeichnet. Zum zweiten Mal ersetzte eine Video-Übertragung die Gala, bei der sich in nicht pandemischen Zeiten das «Who is Who» der Planer und Hersteller trifft.

In der Kategorie Außenbeleuchtung / Inzenierung konnte sich das Projekt Munot gegen die hochkarätigen Beleuchtungskonzepte von Belzner Holmes für das Residenzschloss Rastatt und von Ingenieure Bamberger für Schloss Neuschwanstein durchsetzen. Der von 1564-1589 als Zirkularfestung erbaute Munot erhebt sich auf dem mit Weinreben bestandenen Emmersberg im Zentrum von Schaffhausen. Als Vorbild für den Entwurf dienten die Rundbefestigungen, welche Albrecht Dürer in zahlreichen Werken zu Papier gebracht hatte. Nach dem Ende der einzigen Belagerung, welche die Festung bis 1799 durch französische Truppen erfahren hatte, versank das sodann stark beschädigte Bauwerk in die Bedeutungslosigkeit. Erst 1826, als der Zeichenlehrer Johann Jakob Beck die Renovierung des Munot initiierte, sollte die Festung wieder in den Blickpunkt geraten

Im Blickpunkt der Stadt

Hier knüpft die neue Fassadenbeleuchtung an, durch die das Bauwerk auch am Abend alle Blicke auf sich zieht. Neben den gestalterischen Aufgaben boten auch die bis dato eingesetzten veralteten Quecksilberdampflampen Anlass für die Erneuerung. Die seit April 2015 europaweit verbotenen HQL-Leuchtmittel mit ihrem grünlichen Spektrum tauchten den am Fuß des Munots gelegenen großen Rebberg in gleißendes Licht. Zudem konzentrierte sich die Fassadenbeleuchtung lediglich auf die südliche, der Altstadt zugewandte Fassadenseite. Der Auftrag für die Planung der neuen Beleuchtung erfolgte 2017 durch das Hochbauamt der Stadt Schaffhausen mit dem Ziel einer exzellenten, zeitgemäßen und an ökologischen Kriterien orientierten Lichtlösung. 

Wertschätzung der tierischen Festungsbewohner

Die neue Fassadenbeleuchtung entspricht dem Charakter der Festung und unterstreicht diesen mit einer flächigen Aufhellung des gesamten Gebäudekörpers sowie der Betonung einzelner Architekturelemente. Dazu zählen die seitlichen Wehrmauern, der Rundturm und die Caponnières. Da das ikonische runde Gebäude nun – im Gegensatz zu früher – von allen Seiten beleuchtet wird, erscheint es auch in der Nacht über alle Stadtquartiere hinweg als bauliche Einheit. Die Rückseite des Munots wird dabei bedeutend zurückhaltender als die Südseite beleuchtet. Nur die obersten Kranzelemente der Rundmauer sind mittels Lichtverläufen dezent illuminiert und die Scharwachttürme erfahren eine leichte Akzentuierung. Der Sockelbereich und damit auch der Festungs- oder Hirschgraben, dem eine dort lebende Damhirschkolonie seinen Namen gab, bleiben im Dunkeln. Auch weitere Tierarten finden am Munot ihren Lebensort. Daher wurden die verschiedenen Interessenvertreter und Verbände zum Schutz der entsprechenden Tiere und Insekten in die Planung einbezogen. Man verständigte sich auf ein sehr warmes, goldweißes Licht mit circa 2.500K.

Projektionsverfahren in Kombination mit LED-Strahlern

Bei der Fassadenbeleuchtung handelt es sich um die Kombination eines Projektionsverfahrens und konventioneller, präziser LED-Technik. Mit erstgeannter relativ junger Technologie, bei der das Licht mittels Präzisionsfilter gezielt gelenkt wird, können alle zuvor definierten Gebäudebereiche unter Vermeidung von Lichtemissionen aufgehellt werden. Dunkle Bereiche auf dem Filter verhindern das Abstrahlen des Lichts in unerwünschte Bereiche wie beispielsweise in die Fenster oder in den Nachthimmel. Somit werden Lichtemissionen und -immissionen gänzlich vermieden werden.

Mit konventioneller Beleuchtung nur schwer aufzuhellende Gebäudeteile wie beispielsweise das Dach oder die exponierten Scharwachttürme auf der Nordseite werden mittels Projektion gezielt hervorgehoben. Zugunsten einer nicht „flachen“ Wirkung der Fassade werden einzelne Elemente zusätzlich mit LED-Scheinwerfern akzentuiert, ohne dass das Licht am Gebäude vorbei strahlt. Alle Projektoren sind mit bedampften Konversionsfiltern ausgerüstet, die dem warmweißen Licht einen goldenen Schimmer verleihen und den hellen Kalkstein der Festung damit wärmer und weicher erscheinen lassen. Die Kombination von konventioneller LED-Technik und Projektionsverfahren vereint die Vorteile beider Verfahren: Brillanz durch Akzentuierung und eine dezente Gesamterscheinung.

In ganz Schaffhausen wird das Glöcklein nicht nur gehört

Neben der Fassadenbeleuchtung weist das Lichtkonzept zwei Besonderheiten für bestimmt Anlässe auf. In den Sommermonaten realisiert der vor 175 Jahren gegründete Munotverein auf der Gebäudezinne zahlreiche Maßnahmen zur «Förderung von Geselligkeit und Tanz». Fallen die Veranstaltungen besonders festlich aus, werden die elegant geschwungenen Dächer der drei Caponnières auf der Nordseite, an der sich heute der Haupteingang befindet, zusätzlich beleuchtet. Auch dem historischen, 1589 gegossenen und vor einigen Jahren instandgesetzten Munotglöcklein verlieh Atelier Dreher einen besonderen Stellenwert. Während das 450 Kilogramm schwere Glöcklein jeden Abend um Punkt neun Uhr von der Munotwächterin in alter Tradition fünf Minuten lang von Hand geläutet wird, illuminieren kleine Lichtquellen die Glocke und machen sie über alle Stadtquartiere sichtbar.

Schaffhausen24, Originalmeldung Deutscher Lichtdesign-Preis