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Kultur
11.10.2021

Kunst als grosse Passion

Nicht nur als Holzschneider ist er bekannt: Bereits mehrere Preise hat Hansueli Holzer mit seinen Dokumentarfilmen gewonnen.
Nicht nur als Holzschneider ist er bekannt: Bereits mehrere Preise hat Hansueli Holzer mit seinen Dokumentarfilmen gewonnen. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Der Künstler Hansueli Holzer ist einer von wenigen Holzschneidern in der Schweiz. Die Kunst begleitet ihn schon sein ganzes Leben lang, an die Pensionierung denkt der 74-Jährige noch lange nicht. Nicht zuletzt treibt ihn eine grosse Reiselust an. Für seine Dokumentarfilme gewann er bereits angesehene Preise.

Jeden Morgen freut sich Hansueli Holzer aufzustehen. Nachdem er die Vögel im Garten gefüttert hat, gibt es einen gemütlichen Zmorgen im Wintergarten, gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Indra Graf. Dann widmet er sich einer seiner Leidenschaften: Dem Kunstmalen, dem Dokumentarfilmen oder dem Garten. 

In der Schweiz gibt es über 10 000 Malerinnen und Maler, doch nur ganz wenige beherrschen das Holzschneiden. Und einer davon ist eben Hansueli Holzer in Stein am Rhein. «Die Technik ist ein bisschen wie in der Steinzeit», so der 74-Jährige. Für ein dreiteiliges Bild des Seeufers bei Eschenz benötigte er insgesamt zwölf Holzbretter, denn für jede Farbe müssen separate Bretter mit den entsprechenden Schnitten verwendet werden. «Es ist eine sehr aufwendige Kunstform», so Hansueli Holzer, der am genannten Bild etwa drei Monate lang arbeitete. 

Zwischen Schule und Atelier

43 Jahre lang lebte Hansueli Holzer in Ramsen. Nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahr 2005 führte ihn das Schicksal mit der Gemeindekrankenschwester Indra Graf zusammen. Seit drei Jahren leben die beiden in Stein am Rhein. Aufgewachsen ist der Künstler im Kanton Luzern, mit 16 Jahren startete er eine Grafiklehre in Winterthur. Nach Abschluss der 4-jährigen Lehre besuchte er die Kunstgewerbeschule in Zürich (heute Hochschule für Gestaltung und Kunst). «Eigentlich wollte ich dort nur ein Jahr bleiben. Und dann in die Welt hinausgehen, reisen und Bücher schreiben», erzählt Hansueli Holzer. Doch es kam anders: Nach vier Jahren an der Kunstgewerbeschule, an der er ohne Prüfung aufgenommen würde, schloss er die Ausbildung erfolgreich ab. Dann arbeitete er mehrere Jahre als Kantilehrer in Glarus sowie an einer privaten Mittelschule in Zürich – nebenher zeichnete und malte er viel. «Ich wollte nämlich eigentlich gar nie Lehrer werden», so Hansueli Holzer, der schlussendlich bis zu seinem 60. Lebensjahr mit Unterbrüchen im Lehramt tätig blieb. 

Talent ist ihm gegeben

«Malen ist wie Treppenbauen. Die erste Stufe ist das Beherrschen der Farben», so der Künstler, der in seinen Anfängen sehr lange Zeit nur Stillleben malte. 

Dass Hansueli Holzer talentiert ist, bekam er immer wieder zu hören und zu spüren. Er erinnert sich an ein Erlebnis in der Rotapfel-Galerie, damals eine der renommiertesten Galerien in Zürich. «Ich wollte meine Unterlagen abgeben, doch es hiess nur, ich solle zuerst in drei oder vier anderen Galerien ausstellen», so Hansueli Holzer. Denn im Kunstbereich zählen vielfach die Anzahl Ausstellungen. Doch der damals junge Künstler bestand darauf, dass die Verantwortlichen sein Bewerbungsdossier behalten. Kurze Zeit später erhielt er das Telefonat: Sie wollten unbedingt, dass Hansueli Holzer seine Holzschnitte hier ausstellte. 

Bis zu seinem Umzug nach Stein am Rhein präsentierte Hansueli Holzer seine Werke regelmässig an Ausstellungen. Bereits über 1000 Holzschnitte hat er kreiert – unter anderem gestaltete er 1986 das Plakat für das Freilichtspiel «No e Wili».

Aber auch für seine Zeichnungen und Ölbilder ist Hansueli Holzer angesehen. «Das Licht ist für mich das allerwichtigste», so der Künstler. Werke von ihm befinden sich in verschiedenen Sammlungen und Museen, darunter im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen. 

«Die Technik ist ein bisschen wie in der Steinzeit»
Hansueli Holzer

Grosse Reiselust und Filmpreise

«Es ist jeden Tag aufs Neue interessant, mit ihm zusammen zu leben», so Indra Graf über ihren Partner. Nicht nur die Liebe zum Garten verbindet das Paar – sondern auch das Reisen ist eine grosse Leidenschaft der beiden. «Wir sind sehr gerne und viel unterwegs», sagt Hansueli Holzer. Während er sich dem Filmen und Fotografieren widmet, führt Indra Graf heute meist die Reisetagebücher. Daraus entstehen als gemeinsames Projekt unter anderem liebevoll gestaltete Fotoalben.

Auf ihren Reisen erkunden sie die verschiedensten Gegenden auf der Welt – ob Griechenland, Bali, Ägypten, Kenia, Australien oder Vietnam. Mit dabei hat Hansueli Holzer oft Leinwand und Farben, immer aber Kamera und Filmmaterial – für Dokumentarfilme. «Zuletzt veröffentlicht habe ich eine Dokumentation über die Edelsteinsuche in Sri Lanka, dem Heimatland von Indra», berichtet Hansueli Holzer. 

Einen der grössten Erfolge brachte der Film «Ein Tag in Afrika», in dem zu sehen ist, wie ein Wasserbüffel von einem Löwenrudel getötet und gefressen wird. Ein anderer Dokumentarfilm «Die zarte Versuchung», über den Anbau und die Verarbeitung von Chicorée, schaffte es bis zum UNICA Filmfestival in St. Petersburg. Auch an Filmfestivals in Hamburg, Berlin und Solothurn waren Hansueli Holzers Filme dabei und wurden mit ersten Preisen ausgezeichnet. Seine Dokumentarfilme sind von Lehrpersonen im deutschsprachigen Raum sehr gefragt, darunter der über die Entstehung eines Holzschnitts oder derjenige zum Thema «6000 Jahre Perspektive», ein Video zur Einführung des Themas Perspektive im Zeichenunterricht. Regelmässig empfing er zu diesem Thema auch Schulklassen in seinem Atelier. 

Lehrer geblieben

Da Hansueli Holzer eigentlich nie Lehrer werden wollte, fokussierte er sich nach dem Umzug von Glarus nach Schaffhausen auf die Kunst. «Meine erste Frau, die die gleiche Ausbildung wie ich hatte, war 33 Jahre Zeichnungs- und Werklehrerin am Kindergärtnerinnenseminar Schaffhausen – mich zog es nach draussen, um die Landschaften des Kantons zu malen», erinnert sich der zweifache Vater. «Und trotzdem nahm ich einen befristeten Lehrauftrag am Lehrerseminar Schaffhausen an. Und mein berühmtester Schüler war der spätere Regierungsrat Christian Amsler» fügt er schmunzelnd hinzu. Als seine erste Frau im Jahr 1981 das erste Mal schwanger war, übernahm Hansueli Holzer die Mutterschaftsvertretung – die sich bis über die zweite Schwangerschaft im Jahr 1983 hinauszog. Und auch danach kam er nicht mehr vom Unterrichten weg und arbeitete zwei Tage pro Woche an der Sekundarschule Rosenberg in Neuhausen.    

Oberen Kantonsteil beleben

Eine weitere Aufgabe treibt Hansueli Holzer an: «Seit 30 oder mehr Jahren bin ich Aktuar bei der Heimatvereinigung Buch-Hemishofen-Ramsen.» Damit die Menschen diese drei geschichtsträchtigen Dörfer besser kennenlernen, läuft aktuell ein Projekt, bei dem Infotafeln an den historisch bedeutsamen Gebäuden angebracht werden. Diesen September wurden die Stationen in Hemishofen eingeweiht, in den kommenden zwölf Monaten widmet sich Hansueli Holzer dem Örtchen Buch. «Es wäre einfach schade, wenn die Geschichten dieser Dörfer verloren gehen», so der 74-Jährige. 

Zur Ruhe kommen wird Hansueli Holzer wohl noch länger nicht. «Er hat den ganzen Tag zu tun, das gehört zu ihm», so Indra Graf. Und wenn er sich nicht gerade dem Malen, Filmen, Fotografieren oder Schreiben widmet, geniesst er mit seiner Partnerin die Schönheit und Artenvielfalt im eigenen Garten oder wie er sagt «den Goldenen Herbst des Lebens». Und hier sieht er bereits das nächste Projekt: «Der Sitzplatz unter dem Apfelbaum wird umgestaltet, die neuen Steine für den Boden liegen bereits parat.» Das klingt noch kaum nach Pensionierung!

Hansueli Holzer und Indra Graf geniessen es, Zeit im eigenen Garten zu verbringen. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Doch auch die Reiselust verbindet das Paar. Hier in der Weissen Wüste in Ägypten. Bild: zVg.
Lara Gansser, Schaffhausen24