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Gesellschaft
11.10.2021

Mäni Frei und sein kleines Paradies

In Gedenken an Mäni Frei liess Beat Hedinger, Geschäftsführer des Schaffhauser Blauburgunderlands, die über 20-jährige freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem einfallsreichen Schöpfer Revue passieren.
In Gedenken an Mäni Frei liess Beat Hedinger, Geschäftsführer des Schaffhauser Blauburgunderlands, die über 20-jährige freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem einfallsreichen Schöpfer Revue passieren. Bild: Patrick Baljak, Schaffhausen24
Für einmal verzichtete das Schaffhauser Blauburgunderland auf eine Jahresehrung und gedachte stattdessen dem kürzlich verstorbenen Mäni Frei, der eben dieses Weinlabel vor rund 21 Jahren erfand. Im Zentrum standen die Verdienste der Schaffhauser Persönlichkeit.

Am 20. September im Alter von 67 Jahren trat Mäni Frei seine letzte Reise an. Nun fand vergangenen Sonntag im Namen des Schaffhauser Blauburgunderlandes ein Gedenkanlass zu seinen Ehren im Festsaal der Bergtrotte in Osterfingen statt. Im Mittelpunkt standen die Verdienste von Mäni Frei, der nicht nur für Schaffhausen als Weinbaukanton eine prägende Persönlichkeit war, sondern auch für den Schaffhauser Tourismus, für den er die Imagekampagne «Schaffhausen – Das kleine Paradies» (2009 bis 2013) kreierte, die in aller Munde war. Der Schaffhauser Staatsschreiber Stefan Bilger erinnert sich noch lebhaft an ein Schlüsselerlebnis in der Zusammenarbeit mit Mäni Frei anlässlich des Sechseläutens im Jahr 2009, bei dem Schaffhausen als Gastkanton mitwirkte. «Mäni hat gehört, dass es in den 1950er-Jahren eine Rutschbahn vom Lindenhof abwärts der Mauer gab und wollte diese für das Sechseläuten realisieren. Nur stand heuer diese Mauer unter Denkmalschutz, doch damit begnügte sich Mäni nicht. Und so besuchte er mich in meinem Büro und wollte sich nicht mehr vom Fleck rühren, bis wir einen diplomatisch eher grenzwertigen Brief an den Stadtrat Zürich verfassten, in dem wir als Regierungsrat die Bewilligung einer Rutschbahn forderten», erzählte Stefan Bilger. Dieses Unterfangen trug tatsächlich Früchte und sorgte am Sechseläuten für Aufsehen, es zeigte auch die unbändige Passion von Mäni Frei, Positives bewirken zu wollen. Hierbei war ihm fast jedes Mittel recht, auch die Provokation.

Unermüdlicher Werber

Mäni Frei hatte schon immer eine ausgeprägte kreative Ader. Zu seinen Errungenschaften zählen unter anderem der Dalmatiner als Identifikationsfigur für Vögele Shoes und ein Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde für die weltgrösste Polaroid-Galerie an der Olma 1995 mit etwa 40 000 Abzügen. Die grössten Verdienste schuf er jedoch für seine Heimat, sein kleines Paradies, mit spektakulären Kampagnen. Angefangen beim Marché Concours 2011 mit dem Leitspruch «Schaffhouse, un coin de paradis» bis zum Fête de Vignerons 2019 «Schaffhouse; Le Pays du Pinot Noir». «Für Mäni waren die Verdienste nie wichtig, sondern das Vorwärtskommen von der Region und immer wieder Neues zu erschaffen», so der Geschäftsführer des Blauburgunderlandes, Beat Hedinger. «Mit sehr viel Herzblut hat er Schaffhausen sowie das Blauburgunderland eindrücklich mitgestaltet und mitgeprägt.» 

Das langjährige Zusammenwirken zwischen den beiden entwickelte sich zu einer Freundschaft und so richtete Hedinger seine Worte vor den geladenen Gästen direkt an Mäni Frei: «Lieber Mäni, wir als Schaffhauser und Blauburgunderländer sind wirklich sehr traurig, dass du deine Reise viel zu früh antreten musstest, und deine brennende Leidenschaft wird uns sehr fehlen.» Vielen ist noch zu wenig bewusst, was Mäni Frei als engagierter Schaffer hinter den Kulissen alles für die Region geleistet hat.

«Mit sehr viel Herzblut hat Mäni Schaffhausen mitgeprägt.»
Beat Hedinger, Geschäftsführer Schaffhauser Blauburgunderland

Ein Jahr zum Vergessen

«Mäni würde jetzt sagen, dass es nun gut ist und wir uns wieder zusammenraufen sollen, um vorwärtszukommen», meinte Beat Hedinger. Es war kein leichtes Jahr für die Schaffhauser Weinreben. Stark wechselnde Wetterverhältnisse, Mehltau und politische Unsicherheiten (Agrarinitiative) verstärkten den Druck auf die Winzerinnen und Winzer, was teilweise für Totalausfälle sorgte. Trotz wachsender Herausforderungen blickt er zuversichtlich ins neue Jahr und verkündete diverse Erneuerungen. Unter anderem «Winzer in Town» und «Wii-Dunschtig» im Vinorama an der Vordergasse sowie einen Bus vom Rheinfall ins Klettgau zur Weindegustation, bei der wiederum Mäni Frei federführend war. 

Patrick Baljak, Schaffhausen24