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Sport
22.11.2021

«Ich brauchte diese superlativen Ziele»

Evelyne Binsack auf einer ihrer Extremtouren. Kälte und Eis ist sie sich gewohnt.
Evelyne Binsack auf einer ihrer Extremtouren. Kälte und Eis ist sie sich gewohnt. Bild: zVg.
Eine Frau mit grosser Willensstärke: Die Extremsportlerin Evelyne Binsack hat Nord- und Südpol erreicht und war 2001 die erste Schweizerin auf dem Mount Everest. Nächste Woche kommt sie zu einem Talk-Abend ins Trottentheater Neuhausen.

In 484 Tagen legte Evelyne Binsack die 25 000 Kilometer lange Strecke von ihrem Zuhause im Berner Oberland bis zum Südpol zurück. Dabei durchreiste sie 16 Länder – und das alles mit dem Velo und auf den Skiern. Evelyne Binsack gehört zu den bekanntesten Schweizer Extrembergsteigerinnen, unter anderem erreichte sie den Nordpol sowie die Spitze des Mount Everest. 

Was die 54-Jährige zu diesen sportlichen Höchstleistungen bewegte? «Superlative Ziele zogen mich einfach in ihren Bann», so die in Hergiswil aufgewachsene Abenteurerin. Neben dem technischen Können, der Neugierde und dem Biss spielt für sie die Willenskraft eine wichtige Rolle im Leben. «Und diese mentale Stärke hatte ich einfach – in allen Bereichen.» 

«Die Touren wurden immer länger»

Bereits als 16-Jährige war Evelyne Binsack gerne in den Bergen unterwegs. «Die Touren wurden dann schnell immer länger und intensiver», erinnert sich die Sportlerin, die damals ihre Lehre zur Sportartikelverkäuferin machte. Später absolvierte sie die Ausbildung zur Helikopterpilotin und liess sich 1991 als eine der ersten Frauen Europas zur diplomierten Bergführerin ausbilden. «Nur Bergführerin zu sein, hätte mich jedoch auch nicht erfüllt.» Deshalb arbeitete sie immer wieder eigene Ziele und Herausforderungen aus und schreckte vor kaum etwas zurück.  «Gletscher, Kälte, Eis und Sturm gehörten für mich dazu», so Evelyne Binsack. Immer wieder wollte sie herausfinden, zu was ihr Körper fähig ist und wo ihre Grenzen liegen. «Alle 8000er auf der Welt zu besteigen hätte meine Lunge beispielsweise nicht mitgemacht.» 

Bergsteigen war Männersache

«Es war der Geist, der uns Frauen getrieben hat», so Evelyne Binsack rückblickend auf die Zeit, in der das Bergsteigen noch grösstenteils Männersache war. Vor etwa 30 Jahren habe es zum Bergsteigen nicht einmal Ausrüstung für Frauen gegeben. «Ich verglich mich von Anfang an mit den Männern und habe ein ziemlich dickes Fell bekommen», so die fast 1,80 Meter grosse Sportlerin. Spezifische Kurse – beispielsweise für die Mount Everest Besteigung – hat sie nie gemacht, sondern sich ihr Können selbst angeeignet. «Ich wusste, dass die Basis da war, da ich zu diesem Zeitpunkt schon fast 20 Jahre in den Bergen unterwegs war.» 

Coachings und Seminare

Mit 54 Jahren blickt Evelyne Binsack stolz auf ihre bisher erreichten Höchstleistungen zurück. Nach wie vor ist sie viel unterwegs – in den Bergen oder auf dem Velo. Ausserdem hat sie bereits drei Bücher veröffentlicht, das letzte, «Grenzgängerin – ein Leben für drei Pole», im Jahr 2017. 

Heute arbeitet Evelyne Binsack hauptberuflich als Bergführerin, nebenher gibt sie Workshops und Seminare. «Die spannendsten Menschen, die ich in meinen Coachings begleite, sind Manager und CEOs», gibt Evelyne Binsack zu. Entweder würden diese total bei sich stehen oder aber total neben sich, da sie mit dem Druck und der Leistung, die sie bringen müssen, nicht klarkommen. «Dadurch verlieren sie es, sich selbst zu spüren», fügt die Referentin weiter hinzu.  

Talk in Neuhausen

Am kommenden Montag, 29. November, ist Evelyne Binsack gemeinsam mit der Clown-Komödiantin Gardi Hutter Gast bei «Toniolo deckt auf». Der Talk-Abend beginnt um 19.30 Uhr. «Trotz fehlender Berge bietet Schaffhausen mit dem Rheinfall ein einzigartiges Naturerlebnis. Ich suche immer das, was man nicht erwartet beziehungsweise das, was überrascht. Darum freue ich mich sehr, dass Evelyne Binsack endlich nach Schaffhausen kommt, nachdem es 2017 und 2019 nicht geklappt hat», so Beat Toniolo, der den Abend moderieren wird. 

Tickets und weitere Infos sind unter toniolo-deckt-auf.ch zu finden. 

Evelyne Binsack auf einer Tour durch die Atacama-Wüste in Chile. Bild: zVg.
Lara Gansser, Schaffhausen24