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Schaffhausen
22.11.2021

Kein Winterschlaf bei der Schifffahrt

Herbert Rispy auf dem Deck der MS Munot in der Werfthalle. Alle sechs Jahre steht bei den Schiffen die Schalenkontrolle an.
Herbert Rispy auf dem Deck der MS Munot in der Werfthalle. Alle sechs Jahre steht bei den Schiffen die Schalenkontrolle an. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Mit den kalten Monaten geht die Rheinsaison jeweils zu Ende. Doch auch im Winter haben die Angestellten der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) die Hände voll zu tun. Ein Rundgang durch die Werft mit Herbert Rispy.

Eindrücklich ist die Grösse des Kursschiffs MS Munot, das sich aktuell zur Wartung auf der Helling in der Werft befindet. Jeweils zu Saisonende im Oktober werden die sechs Schiffe der Flotte der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) für die Winterzeit in die Werft zwischen Langwiesen und Feuerthalen gebracht, um dort für das nächste Jahr auf Trab gebracht zu werden. Damit ein reibungsloser Ablauf sichergestellt werden kann, gibt es Herbert Rispy, Leiter Betrieb und Werft. «Es gilt, innert den fünf Monaten alle Unterhaltsarbeiten zu erledigen, die sich während der Sommersaison angesammelt haben», so der Werft-Chef. Unterstützt wird er von 19 Angestellten, die alle im Sommer auf dem Schiff als Matrosen, Kapitäne oder Kassiere arbeiten und im Winter in der Werft tätig sind. «Die Mitarbeitenden sind ausgebildete Elektriker, Mechaniker, Schreiner, Sanitäre oder Bootsbauer – und jeder hat seine Schwerpunkttätigkeit», führt Herbert Rispy aus. Dem gelernten Zimmermann gefällt der Wechsel von der Sommer- auf die Wintersaison sehr gut. «Dann kann ich endlich wieder in meinem Handwerk arbeiten.» Als besonders wichtig empfindet er den Teamzusammenhalt. «Einer alleine könnte das alles niemals schaffen. Wir müssen uns aufeinander verlassen können.»

Jährlicher Service

Bei der URh tätig ist Herbert Rispy seit 2005. «Begonnen habe ich als Schreiner und Matrose, später war ich dann Kassier», erinnert er sich. 2013 hat er noch die Ausbildung zum Schiffsführer angehängt und nach der Pensionierung seines Vorgängers ist er 2014 zum Leiter Werft aufgestiegen und seit 2016 sowohl für den Betrieb wie auch die Werft verantwortlich. 

In jedem der Schiffe hängt eine Unterhaltsliste, welche die Mitarbeitenden fortlaufend führen. Gewisse Arbeiten sind, ähnlich wie beim Auto-Service, sowieso jedes Jahr fällig. «Ölwechsel, Abgaswartung, Luftfilterwechsel und Partikelfilterreinigungen gehören zu den regelmässigen Arbeiten», erklärt Herbert Rispy. Nicht zu unterschätzen ist das Gewicht eines Kursschiffs: 250 bis 300 Tonnen bringt eines alleine auf die Waage. 

Winterferientypen gefragt 

Wo aktuell 20 Männer am Arbeiten sind, herrscht im Sommer gähnende Leere. «Der Einzige, der im Sommer ab und zu in die Werft kommt, bin ich, um die Büroarbeiten zu erledigen.» Seit zwei Jahren wird das 1965 gebaute Werft-Gebäude renoviert, aktuell wird ein Teil der Angestellten mit der Gebäudehüllensanierung sowie der Erneuerung der Wärmetechnik gefordert. 

«Unsere Leute arbeiten im Sommer durchgehend und an drei Wochenenden pro Monat», so Herbert Rispy. Zeit für Ferien bleibt in der Hauptsaison keine. «Nach Saisonende gilt es dann, die Ferienguthaben einzuziehen.» Während den fünf Wintermonaten sind die Angestellten dann etwa 10 bis 12 Wochen in der Werft. «Und sie haben jedes Wochenende frei», fügt Herbert Rispy hinzu. Für die URh sei es sehr von Vorteil, dass die meisten Arbeiten intern erledigt werden können. «Fremdvergaben würden sehr viel teurer werden. Ausserdem sucht kaum jemand für sieben Monate eine befristete 100-Prozent-Stelle, damit er dann fünf Monate gar nichts zu tun hat.»

 

«Jedes Schiff hat seinen eigenen Charakter»
Herbert Rispy, Leiter Betrieb und Werft URh
Wie jeden Winter gilt es, die Aussenseite der Schiffe zu reinigen: Thomas Weiss (l.) und Herbert Rispy arbeiten aktuell an der MS Munot in der Werfthalle. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24

Schiff mit Baujahr 1925

«Jedes Schiff ist ein Prototyp und hat seinen eigenen Charakter», erklärt der Werft-Leiter. Von der Hydraulik über die Oberfläche bis zur Kaffeemaschine – die Einrichtung sei in jedem Schiff individuell. Die sechs Schiffe der URh-Flotte wurden alle zwischen 1925 und 1998 gebaut, das älteste ist die MS Konstanz, das jüngste die MS Munot. «Alle sechs Jahre steht die Schalenkontrolle an, so wie dieses Jahr bei der Munot», erklärt Herbert Rispy. Der Motor des Kursschiffs befinde sich aktuell zur Revision in Otelfingen, der Rest wird intern erledigt. Während Marco Mühlethaler sich im Maschinenraum darum kümmert, den Rost zu entfernen und die alten Teile und Bleche auszutauschen, ist Thomas Weiss gerade daran, die Aussenseite des Schiffs zu reinigen. Den in der Werft sehr intensiven Geruch von Rheinwasser sind sich die beiden Angestellten gewohnt – im Sommer vom Schiff und im Winter vom Boden aus. 

Auf welche Herausforderung treffen die Teilzeit-Mechaniker denn? «Momentan ist die Ersatzteilbeschaffung schwierig, da es sehr lange Lieferfristen gibt», so Herbert Rispy. Nicht nur aus diesem Grund bevorzugt er es, regionale Unternehmen zu berücksichtigen. «Heute Morgen wurde das Holz aus Basadingen für die Dachsanierung angeliefert.» 

Unendlich viele Arbeiten

Ob die Arbeit an den Schiffen je ein Ende nimmt? «Nein. Wir beginnen mit dem Nötigsten und wenn mir noch Zeit haben, kommen die Detailarbeiten», sagt Herbert Rispy. Den Werft-Leiter fasziniert die Arbeit rund um die Schiffe sehr. Auf die Frage, welches sein Lieblingsschiff sei, antwortet Herbert Rispy schnell: «Meine Lieblingsschiffe sind alle, die ab Saisonbeginn störungsfrei laufen.» 

 

  • Die MS Munot ist dieses Jahr zur Schalenkontrolle in der Werft. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
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  • Gerade wird der Innenraum der MS Munot gestrichen. Dabei ist eine ausreichende Sauerstoffzuführung wichtig. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
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  • Diesen Winter wird die MS Munot in der Werft wieder voll auf Trab gebracht. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
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  • Die Schiffe werden im Winter in der Werft von allen Seiten gereinigt. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
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  • Marco Mühlethaler (l.) kümmert sich im Maschinenraum darum, den Rost zu entfernen und die alten Teile und Bleche auszutauschen. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
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  • Marco Mühlethaler (l.) kümmert sich im Maschinenraum darum, den Rost zu entfernen und die alten Teile und Bleche auszutauschen. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
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Lara Gansser, Schaffhausen24