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Kanton
13.01.2026

«PartyHeart»: feiern mit Herz

Hanna Vöhringer hält ein Kampagnenplakat hoch, das ein zentrales Anliegen von «PartyHeart» vermittelt: die Wichtigkeit von Konsens. Durch die Kampagne soll das Bewusstsein für respektvolles Verhalten und klare Grenzen beim Ausgehen gestärkt werden.
Hanna Vöhringer hält ein Kampagnenplakat hoch, das ein zentrales Anliegen von «PartyHeart» vermittelt: die Wichtigkeit von Konsens. Durch die Kampagne soll das Bewusstsein für respektvolles Verhalten und klare Grenzen beim Ausgehen gestärkt werden. Bild: Ginevra Lo Piccolo
«PartyHeart» ist eine Kampagne, welche am 15. Dezember 2025 in Schaffhausen lanciert worden ist. Das Ziel ist, Grenzüberschreitungen im Nachtleben zu reduzieren und Respekt, Toleranz und Sicherheit zu erhöhen. Wer mit dabei ist und was es konkret mit der Kampagne auf sich hat, erzählt Hanna Vöhringer, Fachverantwortliche für die Umsetzung der Istanbul-Konvention im Kanton und Projektleiterin von «PartyHeart».

«PartyHeart» ist eine Informations- und Sensibilisierungskampagne rund um ein sicheres, respektvolles und verantwortungsbewusstes Feiern. «Das Ziel ist es, Menschen im Nachtleben niederschwellig zu unterstützen: mit Wissen, Orientierung und klaren Botschaften zu Achtsamkeit, Respekt und Toleranz», erklärt die Projektleiterin Hanna Vöhringer. Im Zentrum würden gegenseitige Rücksichtnahme, Zivilcourage und Hinweise auf bestehende Hilfe- und Unterstützungsangebote stehen. Das Projekt ist in Zusammenarbeit mit verschiedenen lokalen Akteurinnen und Akteuren in Schaffhausen entstanden. Darunter sind der Verein für Jugendfragen, Prävention und Suchthilfe (VJPS), die Fachstelle für Gewaltbetroffene und der feministische Salon zu finden. Doch wieso kommt die Kampagne genau jetzt? Laut Vöhringer wurden in den vergangenen Jahren sowohl aus der Bevölkerung als auch aus dem Umfeld von Clubs und Veranstaltenden vermehrt Forderungen laut, sich intensiver mit den Themen Awareness, Respekt und Toleranz im Schaffhauser Nachtleben auseinanderzusetzen. Mit der kleinen Anfrage im Juni 2025, zur «chemischen Unterwerfung», also dem Einsatz von K.-o.-Tropfen, wollte der Kantonsrat zudem wissen, welche Massnahmen der Kanton Schaffhausen ergreift und welche Präventionsangebote vorgesehen sind. «Die Kampagne ‹PartyHeart› knüpft direkt an diese Anliegen an. Sie setzt auf frühzeitige Sensibilisierung sowie auf klare, leicht zugängliche Informationen. Denn je aufmerksamer und besser informiert Menschen sind, desto wirksamer lassen sich Übergriffe und Grenzüberschreitungen verhindern», erläutert die Projektleiterin. Auf der Website finden sich dazu vertiefende Informationen, beispielsweise worauf alle beim Feiern achten sollten, um respektvoll und mit Freude durch die Nacht zu gelangen, wo Respekt endet und Grenzüberschreitungen beginnen sowie zu Risiken beim Konsum von Substanzen und rund um K.-o.-Tropfen. Ein weiteres zentrales Anliegen sei es, über Notrufnummern und Anlaufstellen zu informieren, wenn es im Ausgang zu Belästigungen, Diskriminierungen oder anderen Grenzüberschreitungen kommt. «Die Erfahrung zeigt, dass Menschen in belastenden oder kritischen Situationen die nationalen Notrufnummern nicht immer abrufen können. Umso wichtiger ist es, diese sichtbar und leicht zugänglich zu machen und so im Ernstfall Orientierung zu schaffen», sagt Vöhringer. «PartyHeart» richtet sich aber nicht nur an feiernde Menschen, sondern auch an die Veranstaltenden sowie die Betreiberinnen und Betreiber von Clubs, Bars und Lokalen. «Auf der Website erhalten auch sie Tipps und Hinweise, um die Sicherheit zu erhöhen und Diskriminierung, Belästigung sowie andere Formen von Grenzüberschreitungen zu verhindern», fährt sie fort. 

So sehen die Plakate der Kampagne aus. Bild: Ginevra Lo Piccolo

Kleine Grenzverletzung, grosse Belastung

Rückmeldungen aus der Praxis zeigen, dass Belästigungen, abwertende Bemerkungen und Grenzverletzungen nach wie vor im Ausgang existieren. «Eine Herausforderung besteht darin, solche Situationen zu thematisieren und zu verhindern, ohne dabei zu pauschalisieren oder zu moralisieren», sagt Vöhringer. Nach Einschätzung von Club-Betreiberinnen und -Betreibern sind es vor allem die sogenannten kleineren Grenzüberschreitungen, die schwer zu fassen sind: etwa anzügliche Sprüche oder verbale Abwertungen. «Oft handelt es sich um Situationen, die für Betroffene unangenehm sind, jedoch noch nicht als so gravierend wahrgenommen werden, dass sie aktiv Hilfe in Anspruch nehmen», sagt die Expertin. Genau hier setzt die Kampagne «PartyHeart» an: Sie will sensibilisieren und deutlich machen, dass auch diese Grenzüberschreitungen nicht akzeptabel sind. Betroffene sollen ermutigt werden, frühzeitig Unterstützung zu suchen. Gleichzeitig sollen alle Anwesenden aufmerksam bleiben und im Bedarfsfall einschreiten. Respektloses Verhalten dürfe nicht als Normalität hingenommen werden, betont Vöhringer. Ebenso müsse klar sein, wie vorzugehen ist, wenn es zu schwerwiegenden Grenzverletzungen kommt.

«PartyHeart» als Baustein der kantonalen Gewaltprävention

«PartyHeart» ist nur eines von mehreren Projekten in Hanna Vöhringers Arbeitsalltag. Die Umsetzung der Istanbul-Konvention ist dabei von zentraler Bedeutung. Dieses Übereinkommen des Europarats schützt Frauen und Mädchen vor verschiedenen Formen von Gewalt und ist im Jahr 2018 in der Schweiz in Kraft getreten. «Um die Ziele auch im Kanton Schaffhausen zu erreichen, braucht es eine Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen: international, national, interkantonal sowie im Austausch mit der Zivilgesellschaft», erklärt sie. Diese Zusammenarbeit sei von unterschiedlichen Strukturen, Zuständigkeiten, Prioritäten und verfügbaren Ressourcen geprägt. Hinzu kämen die komplexe Koordination zahlreicher Akteurinnen und Akteure, kantonaler Fachstellen sowie die Weiterbildung und Sensibilisierung von Fachpersonen. Ebenso gelte es, strukturelle Ursachen von Benachteiligung und Gewalt abzubauen. «PartyHeart» sei dabei als ein Baustein der kantonalen Gewaltpräventionsarbeit zu verstehen.

«Je besser man informiert ist, desto wirksamer lassen sich Grenzüberschreitungen verhindern.»
Hanna Vöhringer, Projektleiterin «PartyHeart» und Fachverantwortliche Istanbul-Konvention

Kampagne ist keine Ersatzlösung für die eigene Auseinandersetzung

«Bereits heute beteiligen sich etliche Schaffhauser Clubs, Bars und Lokale an der Kampagne», sagt die Projektleiterin. Dies zeige, dass das Thema Awareness im Nachtleben nicht nur als wichtig erachtet werde, sondern auch zunehmend im Bewusstsein verankert sei. «In einem nächsten Schritt sollen weitere Kooperationen folgen und Massnahmen entwickelt werden, die auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten sind», fügt Hanna Vöhringer hinzu. «PartyHeart» soll sich dabei als ergänzende Dachkampagne in der Informations- und Präventionsarbeit etablieren. Die Teilnahme an der Kampagne stelle jedoch keine Ersatzlösung für die eigene Auseinandersetzung mit Awareness dar. Im Gegenteil: «PartyHeart» würde auf Handlungsbedarf hinweisen, mögliche Ansatzpunkte aufzeigen und Betreiberinnen und Betreiber ermutigen, sich aktiv weiterzubilden. «Gleichzeitig gibt es auch Betriebe, denen das Thema zwar ein grosses Anliegen ist, die bislang jedoch nicht über ausreichende Kapazitäten für Schulungen verfügen. Auch diese sollen eingebunden und seitens des Kantons bestmöglich unterstützt werden», ergänzt sie.

Vernetzt für ein gemeinsames Ziel

Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich noch nicht beurteilen, ob die Kampagne erfolgreich sei, dafür sei es noch zu früh, sagt Hanna Vöhringer. Die bisherigen Rückmeldungen fielen jedoch durchweg positiv aus. Sie wertet dies als ein erstes ermutigendes Zeichen für die Akzeptanz und Relevanz der Kampagne. Für das Jahr 2026 sind weitere Schritte geplant. So soll die Kampagne auch über verschiedene Social-Media-Kanäle beworben werden. Je nach Bedarf sind zudem längerfristige Schulungen und Weiterbildungen für Clubs, Bars und andere Lokale vorgesehen. Auch das Informationsmaterial soll schrittweise erweitert und aktualisiert werden. Ab dem 1. Mai wird zudem schweizweit eine neue zentrale Opferhilfe-Telefonnummer eingeführt. Auch diese soll in den beteiligten Lokalitäten gut sichtbar ausgehängt werden, um Besucherinnen und Besuchern unkompliziert Orientierung und Unterstützung zu bieten. Um den Erfolg der Kampagne zu sichern, gelte es laut der Projektleiterin, das Bewusstsein für die angesprochenen Themen weiter zu stärken. Ebenso wichtig seien eine offene Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteurinnen und Akteuren sowie die Anerkennung, dass Prävention ein zentraler Bestandteil einer lebendigen und sicheren Nachtkultur ist. Nur durch dieses gemeinsame Engagement könne langfristig ein respektvolles und sicheres Umfeld für alle geschaffen werden.

 

Mehr Informationen finden Sie auf der Seite von «PartyHeart» partyheart.ch/.

Ginevra Lo Piccolo, Schaffhausen24
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