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Randen
20.04.2021

Altes Handwerk ausüben

Max Meister ist einer der letzten Wellenmacher im Randengebiet.
Max Meister ist einer der letzten Wellenmacher im Randengebiet. Bild: Nathalie Homberger, Schaffhausen24
Der Merishauser Max Meister ist im Randengebiet einer der letzten Wellenmacher. Seit 30 Jahren übt er das Handwerk aus, das er von seinem Vater gelernt hat. Der «Bock» durfte ihn beim Wellenmachen begleiten.

Wer in den letzten Wochen oberhalb von Merishausen auf dem Randen über die Pfaffendele wanderte, konnte Max Meister bei einer seltenen Arbeit im Wald beobachten. Der Merishauser ist einer der letzten Wellenmacher im Kanton Schaffhausen. Als die «Bock»-Reporterin ihn zum Interview traf, wurde sie Zeugin eines uralten Handwerks mitten in der Schönheit und Ruhe des Waldes. Max Meisters Liebe zum Wald war während des ganzen Gesprächs mehr als offensichtlich. Seit 30 Jahren übt der Merishauser das Wellenmachen aus. Der ehemalige Chemielaborant hat das Handwerk von seinem Vater gelernt. Als dieser aus Altersgründen keine Wellen mehr machte, übernahm Max Meister dessen Kundschaft. «Bis vor fünf Jahren habe ich 1000 Wellen im Jahr produziert», erklärt der 77-Jährige. «Heute sind es noch 300.» Das Handwerk ist heutzutage am Aussterben. Umso mehr freut sich der Merishauser, dass ihn Sohn, Schwiegersohn sowie seine ältesten Enkel und Enkelinnen immer wieder in den Wald begleiten und unterstützen. «Dann sind wir eine ganze Gruppe, die hier zusammenarbeitet», erzählt er mit leuchtenden Augen.

Verwertung von Astmaterial

Doch was kann sich der Laie unter einer Welle vorstellen? Es handelt sich um einen zusammengeschnürten Bund von Holzscheiten, Ästen und Buchenreisig, die zum Heizen verwendet werden. «Vor allem geht es um die Verwertung von Ästen», so der Wellenmacher. Eine Welle umfasst eine Länge von 70 Zentimetern und hat einen Umfang von 78 bis 80 Zentimetern. In den Waldstücken, die Max Meister oder weiteren Familienmitgliedern gehören, müssen für die Waldbewirtschaftung immer wieder grössere Bäume gefällt werden, damit junge Bäume verschiedenster Arten wachsen können. Der Merishauser verwendet für seine Wellen vor allem Buchenholz. «Wenn eine Buche gefällt wird, dann gibt es lange ungenutzte Buchenäste. Diese sammeln wir und legen sie auf einen Haufen zurecht», erklärt der 77-Jährige. Zusätzlich werden die mehr als 5 bis 20 Zentimeter dicken Astteile in 70 Zentimeter lange Stücke gesägt, diese zu Scheitern aufgespalten und neben dem Staudenhaufen aufgeschichtet. Dann geht es ans eigentliche Wellenmachen auf dem Wellenbock: Drei Scheithölzer werden auf den Boden des Bocks gelegt, das feinere Astmaterial wird darauf gestapelt. Aussen platziert der Wellenmacher zwei dickere Aststücke, welche er aus dem Staudenhaufen gewählt und mit dem Gertel auf der Haubank in die richtige Länge gekappt hat. Ganz der Profi erfolgt dies bei Max Meister nach Augenmass. Nun folgen aussen zwei weitere Scheithölzer, dann werden die Zwischenräume mit den feinen Ästen und Buchenreisig (wenn vorhanden gerne mit zusätzlichem Föhrenzweig – brennt besser) aufgefüllt, bevor obenauf ein weiteres Scheitholz gelegt wird. Wenn der gewünschte Umfang erreicht ist, zieht der Merishauser mit Hilfe des «Brüechbengels» – ein langer Hebelarm, der eine Eisenkette um das Holz zieht – die Welle zusammen und bindet sie mit zwei Strohballenschnüren. Die Welle kann dann als Ganzes in den Kachelofen gelegt und verbrannt werden. Der Vorteil der Wellen im Vergleich zu normalem Brennholz: Sie geben immer die gleiche Wärme ab.

Vor allem ein Hobby

«Wenn alles vorbereitet ist, dann schaffte ich früher zehn Wellen in einer Stunde», erklärt Max Meister. Wenn aber das Stauden raufschleppen, das Sägen, Spalten und so weiter einberechnet werden, dann macht der Wellenmacher vielleicht drei Stück in der Stunde. Für eine Welle verrechnet er sieben Franken. «Es ist also wirklich ein Hobby», fügt Max Meister hinzu. Wenn alles vorbereitet ist, dann sei es eine sehr meditative Arbeit. «Oft laufen Personen vorbei und sagen: ‹Hai, sind das schöne Wellen›. Dann freut mich das jedes Mal», sagt der Wellenmacher und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Das jahrhundertealte Handwerk wird jedoch nur noch von wenigen Personen ausgeübt. «Heute wird Astmaterial vor allem als Häcksel verkauft.» Das sei sehr bedauerlich, meint Max Meister dazu. Es sei jedenfalls ein sehr befriedigendes Handwerk, das der 77-Jährige noch so lange wie möglich ausüben wird.

Nathalie Homberger, Schaffhausen24