Das Jahr 2025 war für mich ein Jahr der Veränderungen. Wie für viele in meinem Jahrgang standen auch für mich zunächst der Abschluss der Berufsmaturität und der Berufsausbildung im Mittelpunkt. Mir war bewusst, dass das Ende dieses Lebensabschnitts einen neuen Anfang markieren würde. Dass ich jedoch bereits zur Jahresmitte als Mitglied in den Schaffhauser Kantonsrat einziehen würde, hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet. Zu Beginn begleiteten mich Zweifel. Ich fragte mich, ob ich dieser Aufgabe in meinem Alter bereits gewachsen bin, denn ein politisches Mandat bedeutet Verantwortung für einen ganzen Kanton. Rückblickend kann ich sagen, dass sich diese Zweifel nicht bestätigt haben. Im Gegenteil: Seit ich dieses Amt übernommen habe, ist Politik in meinem persönlichen Umfeld deutlich präsenter geworden. Der oft zitierte Mythos, junge Menschen würden sich nicht mehr für politische Themen interessieren, hat sich in meinem Umfeld klar widerlegt. Junge Menschen wollen mitreden, politische Prozesse verstehen und eigene Beiträge leisten. Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein strukturelles Problem: Die Pro- und Contra-Argumente zu Abstimmungen werden bislang nur in wenigen, wirklich neutralen Informationsquellen verständlich aufbereitet. Das erschwert die eigene Meinungsbildung und schreckt viele junge Menschen ab, sich aktiv zu beteiligen. Ein wichtiger Ansatz für das kommende Jahr wäre deshalb, politische Vorlagen unabhängig von Parteipositionen transparent und verständlich darzustellen. Wenn die Auswirkungen von Abstimmungen klar erklärt werden, kann politische Teilhabe niederschwelliger gestaltet und mehr junge Menschen für Engagement gewonnen werden. Denn eines ist klar: Wir sind die Zukunft unserer Gesellschaft, und politischer Nachwuchs muss gefördert werden. Gleichzeitig zeigt sich immer wieder, wie wertvoll der Austausch zwischen den Generationen ist. In den Sitzungen des Kantonsrats und in den Fraktionssitzungen erlebe ich regelmässig, wie ältere Kolleginnen und Kollegen andere Perspektiven und Erfahrungen in Diskussionen einbringen. Dieser Dialog erweitert den eigenen Horizont und trägt zu ausgewogeneren Entscheidungen bei. Die Mischung machts.
Auch im Jahr 2026 werden Veränderungen nicht ausbleiben. Gerade deshalb mache ich mir bewusst keine klassischen Neujahrsvorsätze – weder privat noch politisch. Die vergangenen Jahre haben mir gezeigt, dass sich das Leben selten exakt planen lässt. Das Jahr 2025 konnte ich in der letzten Kantonsratssitzung mit meinem ersten eigenen Votum abschliessen, und genau dort möchte ich im neuen Jahr anknüpfen. Ein weiteres neues Kapitel wartet ebenfalls: Im Sommer 2026 beginne ich freiwillig die Rekrutenschule, um als Frau einen eigenen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten. Mit Spannung blicke ich auf das, was das neue Jahr bereithält, und wünsche der Leserschaft einen gelungenen Start ins Jahr 2026.