Der Blick von oben auf die Klosterbühne offenbart mehr als nur eine Spielstätte. Er zeigt einen Ort, an dem sich Menschen versammeln, um gemeinsam zu sehen, zu denken und sich berühren zu lassen. Zwischen den alten Mauern, die seit Jahrhunderten Geschichten tragen, entsteht ein Raum, der uns daran erinnert, warum wir Kultur machen: um Begegnungen möglich zu machen, die anderswo kaum entstehen.
2025 hat uns viele solcher Momente geschenkt. Es war ein Jahr, das uns gefordert hat und gleichzeitig gezeigt hat, wie stark das nordArt-Theaterfestival in der Region verankert ist. Ob in der stillen Konzentration im Kreuzgang, im Lachen der Kinder bei den Strassentheatern oder im lebendigen Austausch nach den Vorstellungen – überall wurde spürbar, wie sehr dieses Festival von Menschen getragen wird, die sich einbringen, mitdenken und mitgestalten. Als Teil der Festivalleitung berührt mich diese Verbundenheit jedes Jahr aufs Neue. 2026 wollen wir diesen Geist weiter stärken – künstlerisch und gesellschaftlich. Unser Programm zeigt klar, wie pointiert Kleinkunst sein kann: Ohne Rolf, der den Umgang mit Sprache, Macht und Absurdität sezieren. Schön & gut mit einem Freilichtstück, in dem ein Dorf über Tradition, Demokratie und Freiheit streitet. Pasta del Amore mit einer satirischen Auseinandersetzung über Meinung, Optimismus und Informationsfluten. Und Jane Mumford, die mit entwaffnendem Humor über Selbstzweifel, Aufbruch und die Widersprüche des Alltags spricht. Vier Produktionen, die exemplarisch für das stehen, was wir wollen: Theater, das uns herausfordert, nicht beruhigt; Kunst, die fragt, statt zu glätten. Ein Festival wie das nordArt-Theaterfestival entsteht, weil Menschen ihre Zeit schenken, weil Fachleute ihre Expertise einbringen, weil die Region hinsteht – und weil Unterstützer:innen ermöglichen, dass wir diese Bühnen überhaupt bauen können. Manchmal genügt schon ein Blick auf die Klosterbühne von oben, um zu sehen, wie viel dahintersteht: Technik, Handwerk, Organisation, Engagement.
Wer dieses Festival stärken möchte – sei es als freiwillige Helferin, als Mitglied im Förderverein oder als Partner – hilft uns, diesen besonderen Ort lebendig zu halten. Und gleichzeitig ein Zeichen zu setzen für eine vielfältige, offene Kulturlandschaft. Dem Schaffhauser «Bock» danken wir für die kontinuierliche Begleitung und den Mut, Kultur nicht als Randthema zu behandeln, sondern als Teil unseres gesellschaftlichen Fundaments. Wir wünschen Ihnen allen ein neugieriges, inspirierendes 2026 – und freuen uns, Sie im August wieder im Kloster, im Asylhof und an all den Orten zu sehen, an denen Theater uns zusammenführt.