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Gesellschaft
09.01.2026

Schwimmen lernen, bevor ich ins Wasser darf

Salome Zulauf ist seit einem halben Jahr Teil der «Bock»-Redaktion.
Salome Zulauf ist seit einem halben Jahr Teil der «Bock»-Redaktion. Bild: Ginevra Lo Piccolo
In der ersten Ausgabe des «Bock» des Jahres schreibt Redakteurin Salome Zulauf über die Schwierigkeiten des Berufseinstiegs für Hochschulabsolventen.

Im Journalismus heute Fuss zu fassen, ist kein Spaziergang. Gerade als Berufseinsteigerin kann dieser Start holprig sein, nicht nur im Journalismus, auch in anderen Branchen haben es Hochschulabsolventen derzeit schwer, eine Stelle zu finden. In den Medien tauchen immer wieder Schlagzeilen auf, etwa im «Tages-Anzeiger» vergangenen November: «700 Bewerbende auf eine Stelle: Warum haben es junge Akademiker momentan so schwer?». Für frischgebackene Absolventinnen ist das ein mulmiges Gefühl: Einsteigerjobs verschwinden. Der Grund? Oft fällt dabei ein grosses Schlagwort: Künstliche Intelligenz. Sie sei effizienter, schneller, günstiger. Praktikantinnen und Volontäre? Offenbar verzichtbar. Das Resultat: Stellen, die früher als Einstieg galten, gibt es heute kaum noch. Da stellt sich mir die Frage: Ist das der Weg, den wir als Gesellschaft einschlagen wollen? Natürlich gibt es Stimmen, die sagen, KI schaffe neue Arbeitsplätze. Mag sein. Doch gleichzeitig werden Studiumsabgängerinnen weniger eingestellt, weil sie «zu über- oder unterqualifiziert» seien. Ein klassischer Teufelskreis. Oder anders gesagt: Man soll schwimmen können, bevor man ins Wasser darf. Vor einem Jahr war mein Leben noch klar getaktet, die Bachelorarbeit dominierte meinen Alltag. Heute, ein Jahr später, bin ich im Berufsleben angekommen. Manchmal fühlt es sich an, als hätte ich 2025 zwei Leben gelebt: eines als Vollzeitstudentin und eines als Arbeitnehmende. In dieser Übergangszeit hörte ich oft dieselbe Frage: «Und was machst du nach dem Studium?» Ich hatte Glück und durfte beim «Bock» eine Anschlusslösung antreten. Dieses Glück ist jedoch nicht selbstverständlich. Viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen hangeln sich von Praktikum zu Praktikum, nicht aus Abenteuerlust, sondern aus Mangel an Alternativen. Trotz allem will ich den Kopf nicht in den Sand stecken. Journalismus war schon immer im Wandel – vom Bleisatz zur Schreibmaschine, von Print zu Online. Künstliche Intelligenz ist nur der nächste Schritt. Sie zu ignorieren wäre naiv, sie zu verteufeln ebenso. Auch ich nutze KI als Werkzeug. Doch was sie nicht ersetzen kann, ist der Mensch hinter der Geschichte: das Gespür für das zwischen den Zeilen, das Vertrauen im Gespräch, das kritische Nachfragen. Journalismus ist mehr als Information – er ist Einordnung und Verantwortung. Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung also nicht darin, ob wir KI einsetzen sollen, sondern wie. Als Werkzeug, nicht als Ersatz. Denn wenn Journalismus auch in Zukunft relevant sein soll, braucht er nicht nur Technologie, sondern Menschen, die ihn machen wollen. Und denen man auch die Chance gibt, damit anzufangen.

Salome Zulauf, Schaffhausen24
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