Ein neues Jahr hat vor ein paar Tagen begonnen. Leider fand das vergangene Jahr keinen krönenden Abschluss, sondern endete tragisch mit einer Brandkatastrophe in der Silvesternacht im Walliser Skigebiet Crans-Montana. Mittlerweile scheinen solche Ereignisse fast schon zur traurigen «Tradition» geworden zu sein. Egal wie das Jahr verläuft, kurz vor dem Wechsel geschieht oft noch etwas Unerwartetes. Die Hoffnungen, die man in das neue Jahr setzt, werden durch solche Vorfälle in den Schatten gestellt. Wir leben in einer Zeit, in der Trends wie die «Generation 6 7» einen viralen Tsunami auslösen, der Massnahmen in Schulen und Fast-Food-Ketten erfordert, oft ohne, dass der wahre Hintergrund bekannt ist, warum eine eigentlich unbedeutende Zahl plötzlich zum alles beherrschenden Thema wird. Glücklicherweise sind solche sozialen Hypes meist nur ein Strohfeuer. Anders verhält es sich mit den Grossbränden im Entsorgungszentrum und im Hotel Sonne in Beringen. Das Jahr hat kaum begonnen, und wir werden bereits mit Schlagzeilen bombardiert, wie mit der Politik eines Donald Trump gegenüber Venezuela. Wie sieht unsere Zukunft aus? Manchmal wünscht man sich eine Kristallkugel, nicht um einen Sechser im Lotto vorherzusagen, sondern um zu wissen, worauf man sich vorbereiten muss. Wir leben bereits mit der Künstlichen Intelligenz, ob man dafür oder dagegen ist, und es überrascht mich aufs Neue, dass trotz dieser fortschrittlichen Technologie, die bei richtiger Anwendung viel Gutes bewirken könnte, grundlegende Werte in Vergessenheit geraten. Man hat das Gefühl, die Gesellschaft verblödet zusehends. Es wird kaum noch gefördert, Dinge kritisch zu hinterfragen. «Fragen wir mal die KI», hört man oft, als wäre die Technik ein weises Familienmitglied oder der beste Freund. Meine Meinung ist: wie bei allem im Leben macht die Dosis das Gift. Ich versuche, mit einem simplen Motto durch den Tag zu gehen: «Jeden Tag eine gute Tat.» Ich bin überzeugt, dass wenn wir dem Menschen gegenüber wieder mehr Respekt entgegenbringen, und zwar im echten Leben statt hinter dem Bildschirm, zumindest in unserem direkten Umfeld eine bessere Welt erschaffen können. In diesem Sinne bleibe ich gespannt auf das Kommende und wünsche allen einen wundervollen Start in dieses neue Jahr. Und nicht das Jahr «6 7», sondern 2026.
Gesellschaft
09.01.2026
09.01.2026 09:57 Uhr
Das Ausmass der Generation 6 7
Orazio Mantelli arbeitet als Kundenberater für den Schaffhauser Bock Verlag.
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Salome Zulauf
In der ersten Ausgabe des «Bock» des Jahres schreibt Kundenberater Orazio Mantelli über soziale Hypes, künstliche Intelligenz und die Schlagzeilen, die Anfang Jahr die Medienszene dominiert haben.