Winterdienst als Standbein
Der Maschinenring ist breit aufgestellt, der Winterdienst ein zentraler Pfeiler. Ziel ist klar: Landwirte fördern und ihnen einen Mehrwert bieten. Die Einsätze werden möglichst mit Bauern und Lohnbetrieben aus der ganzen Schweiz abgedeckt. Doch das ist anspruchsvoll. Immer mehr Arbeiten erfordern Handarbeit – gerade dort, wo Maschinen an ihre Grenzen kommen.
Dazu kommt die Ausrüstung. Ein Pflug allein reicht nicht. Salzstreuer, passende Reifen, Zusatzgeräte, ja die Investitionen sind hoch. «Wer sich einmal ausgerüstet hat, hat ein schönes Standbein», sagt Schürch. Gleichzeitig brauche es Gelassenheit. «Wer Nächtelang nicht schläft, weil es vielleicht Schnee oder Glatteis geben könnte, ist für den Winterdienst nicht geeignet.» Die Kriterien sind klar: richtige Ausrüstung und Freude an der Arbeit. Wenn der Schnee kommt, hat dieser Priorität, auch wenn zu Hause ein Stall wartet.
Organisation aus der Basis heraus
Die Struktur des Maschinenrings ist stark föderal. Aufträge kommen aus der Basis, werden national koordiniert und einheitlich vergütet. So gelten für alle Kunden dieselben Voraussetzungen, mit einem Ansprechpartner. Die Landwirte vor Ort werden über lokale Verbände aufgeboten und arbeiten mit ihren eigenen Maschinen. Diese Organisation ermöglicht es, rund 4000 Objekte zu betreuen: alle SBB-Bahnhöfe der Schweiz, Parkplätze und Perrons, Güter- und Industrieareale, Armeeanlagen, grosse Detailhändler wie Migros oder Lidl sowie umfangreiche Überbauungen. Nicht bedient werden einzelne Einfamilienhäuser. «Unsere Strukturen wären dafür zu teuer», sagt Schürch offen.
Extremwetter verändert alles
Der Winterdienst hat sich stark gewandelt. Statt kontinuierlicher Schneefälle gibt es heute wenige, dafür extreme Ereignisse. «Drei Tage eisigkalt und Schnee, dann wieder warm», beschreibt Schürch. Die Einsätze ballen sich. Ausrüstung und Personal müssen für wenige Tage im Jahr top bereit sein – über den ganzen Winter hinweg.
Das macht die Suche nach Dienstleistern schwieriger. Darum versucht der Maschinenring, auch ausserhalb des Winters Arbeit zu vermitteln: Umgebungspflege, Neophytenbekämpfung, Unterhalt von Tankstellen oder Arealen. Arbeiten, die sich mit der Hofarbeit kombinieren lassen und Lücken füllen.
400 Anrufe in 24 Stunden
Als Bereichsleiter Winterdienst wickelt Schürch die nationalen Aufträge ab und ist zusätzlich für die Ostschweiz zuständig. Sein Winter dauert von August bis Anfangs Juni. Pässe müssen teils bis Ende Mai offen gehalten werden, während gleichzeitig bereits neue Offerten eingehen.
Wenn es schneit, herrscht Pikettbetrieb – 24 Stunden am Tag. Ein grosser Schneetag kann 300 bis 400 Anrufe bringen, wie im Dezember 2023. Nicht immer ist das Verständnis gross. «Wir filtern, suchen Lösungen und organisieren sofort mit den Dienstleistern vor Ort.» Priorisieren gehört dazu: Nicht überall kann gleichzeitig geräumt werden.
Technik, Prognosen und Grenzen
Digitale Lösungen sind ein Thema, aber schwierig. Regionale Unterschiede machen Prognosen unsicher. «In Sargans 20 Zentimeter Schnee, im Rheintal auf gleicher Höhe nichts.» Eine App mit automatischen Warnungen wäre wünschenswert, scheitert bisher aber an den Kosten. Grundsätzlich gilt: Der Dienstleister vor Ort weiss am besten, wie die Lage ist. Ziel ist, dass er selbstständig ausrückt – ohne Freigabe von «oben».