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Kanton
20.01.2026
19.01.2026 16:22 Uhr

Aus Mexiko, mit Liebe

Cheke vor seinem Restaurant im Löwengässchen.
Cheke vor seinem Restaurant im Löwengässchen. Bild: Ginevra Lo Piccolo
Ezequiel Arredondo Madrid, besser bekannt als «Cheke», sorgt seit rund sechs Jahren für einen feinen, würzigen Duft entlang der Schaffhauser Strassen. Mittlerweile wurde sein Restaurant am Löwengässchen vom «Falstaff»-Team als das beste mexikanische Restaurant in der Schweiz ausgezeichnet. Im Interview erzählt Cheke von seinem Weg; vom Meeresbiologe in Mazatlán bis zum Restaurantinhaber.

Bevor Cheke in Schaffhausen mit seinen Gerichten Aufmerksamkeit erregte, forschte er als junger Meeresbiologe aus Mazatlán, Sinaloa, an den Küsten Mexikos. Beide Elternteile waren Meeresbiologen und der Strand gehörte zum Alltag der sechsköpfigen Familie; egal zum Surfen oder einfach zum Entspannen. So war er schon im jungen Alter mit dem Meer und seinen Kreaturen verbunden. Um sein Studium zu finanzieren und die Miete zu zahlen, arbeitete er nebenbei in Restaurants: «Es war sehr schwer, aber ich konnte viele Erfahrungen in der Gastronomie sammeln. Es gab Leute, die sich über mich lustig machten, aber ich dachte mir: ‹Irgendwann wirst du mich nach einem Job fragen›», fügt er schmunzelnd hinzu. Damals träumte er von einer Reise nach Alaska, um dort seine gelernte Tätigkeit auszuüben. Eines Tages, als er in Mazatlán arbeitete, wurde er Zeuge, wie eine ältere Frau von einer Gruppe Männer belästigt wurde. «Der Ton der Männer gefiel mir nicht, also habe ich interveniert. Später kam die Frau zu mir, bedankte sich auf Englisch und lud mich als Dankeschön zu einem Abendessen ein», erzählt er. Nach dem amüsanten Abend lud die Frau ihn ein zweites Mal zum Abendessen ein, dieses Mal mit ihren Spanischkurs-Kollegen. Unter ihnen war seine zukünftige Frau Fabienne. «Obwohl da sofort eine Anziehung war, blieb ich zunächst zurückhaltend», erinnert er sich. «Ich wollte nicht, dass sie denkt, ich hätte andere Absichten.» Irgendwann kamen sie zusammen, doch der Sommer war vorbei und Fabienne musste zurück. Also wartete Cheke ein Jahr und sparte Geld, um sie in der Schweiz zu besuchen. 

Von der Küste ins Alpenland

Irgendwann fiel die Entscheidung, in die Schweiz zu ziehen. Er habe sich nach Stellen umgeschaut, doch in Schaffhausen fand er keine passenden. Neben seinem Diplom als Meeresbiologe hatte er aber bereits über 20 Jahre Erfahrung in der Gastronomie gesammelt. Hier musste er jedoch wieder von vorne anfangen. «Ich habe mit dem Tellerwaschen angefangen, aber das war mir egal. Ich wusste, dass ich es schaffen würde. Wenn überhaupt, hat mich das eher motiviert, selbstständig zu werden, um meine Unabhängigkeit zu erlangen.» Ihm sei eines klar gewesen: Bevor er den Schritt in die Selbstständigkeit wagen konnte, musste er das Schweizer Gastro-System kennenlernen. Aller Anfang ist schwer. Cheke musste sich immer wieder beweisen und war mit viel Rassismus konfrontiert, da er keine offizielle Ausbildung als Gastronom hatte und eine Sprachbarriere überwinden musste. Dabei sei er als Meeresbiologe ebenfalls als Lebensmittelkontrolleur tätig gewesen und verfüge über tiefgründiges Wissen über Lebensmittelhaltung. «Die ersten zwei Jahre waren sehr streng für mich und ich fiel in eine Depression. In Mexiko hat man nicht wirklich Zeit, um depressiv zu sein, man muss einfach weitermachen.» Er sei positiv überrascht worden, wie ernst das hier Thema genommen wird.

  • Jede Woche gibt es ein neues Special. Letzte Woche war es das würzige «Birria». Bild: Ginevra Lo Piccolo
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  • Cheke wusste sofort, dass dies der perfekte Ort für sein Restaurant war. Bild: Ginevra Lo Piccolo
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Das Ziel verfolgen

Trotz Heimweh stand Cheke zu seiner Entscheidung, sein kulinarisches Ziel weiterzuverfolgen. So machte er mit dem Foodtruck am Lindli den ersten Schritt in die Selbstständigkeit. «Am ersten Tag dachte ich, ich würde nur wenige Kunden haben, deshalb hatte ich nur wenig vorbereitet: sechs Bierkartons und zehn Kilo Fleisch.» Die Resonanz war enorm. «Wir wurden überrannt. Am Abend waren wir ausverkauft. Das hätte ich nie erwartet.» Nach mehreren Einbrüchen habe er sich am Lindli nicht mehr wohl gefühlt und fing an, nach einer permanenten Location in der Gegend zu suchen. «Mir wurden davor verschiedene Locations angeboten, aber der Ort, an dem ich jetzt bin, am Löwengässchen, fühlt sich richtig an. Es ist klein, herzig und hat Charakter. Manchmal braucht es nicht viel, um gut zu sein.»

Leidenschaft für das Essen

Cheke erinnert sich an ein Ereignis aus seiner ersten Arbeitswoche in der Schweiz: «Ich bin damals 15 Minuten zu spät gekommen. Meine damalige Chefin stellte mir klar: ‹Du bist in der Schweiz. Das ist das letzte Mal, dass du zu spät kommst, sonst kannst du direkt zu Hause bleiben.› Und das kam nie wieder vor.» Und genau dieselbe Erfahrung machte er mit seinem ersten Mitarbeiter. «Ich bin nicht mehr dieselbe Person, die hierherkam. Ich habe viel gelernt, mich weiterentwickelt und das schweizerische Mindset verinnerlicht, vor allem, was das Einhalten von Regeln und Zeiten betrifft. Das ist für mich als Restaurantinhaber besonders wertvoll», fügt er lächelnd hinzu. Denn Cheke hat sich etwas vorgenommen: «In meinem Restaurant möchte ich Leuten, die neu in diesem Land sind und womöglich keine Erfahrungen haben, eine Chance geben.» Viel mehr als Erfahrung schätze Cheke Initiative und Leidenschaft für das Essen. Er erzählt von Kunden, die nach einer Reise nach Mexiko in sein Geschäft zurückkamen und berichteten, sein Essen sei besser. «Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Qualität des Essens in der Schweiz besser ist, da es hier höhere Standards gibt.» Doch hochwertige Produkte haben ihren Preis und Preissteigerungen liegen ausserhalb der Kontrolle von Gastronomen. Es gibt auch Zutaten, die zwingend importiert werden müssen, da die versprochene Authentizität sonst darunter leiden würde. «Jede Zutat, vom Fleisch bis zum Chili, ist wichtig. Letzteres muss ich importieren, denn ich könnte zwar mit Chili aus der Schweiz arbeiten, doch geschmacklich wäre es nicht dasselbe. Wenn ich eine Zutat nicht habe, dann mache ich es lieber gar nicht.»

«Essen ist ein wichtiger Teil unserer Kultur. Es ist in unserer DNA.»
Cheke, Restaurantinhaber «Cheke᾿s»

Kultur weitervermitteln

Cheke möchte Klischees über die mexikanische Küche abbauen. «Viele Leute wissen einfach nur das, was sie im Fernsehen sehen – ein Mexikaner mit Sombrero auf einem Pferd, der scharfe Chili isst. Das ist nicht alles, was mexikanisches Essen ausmacht. Es geht nicht um Schärfe, sondern um den Geschmack.» Neben seiner Tätigkeit als Restaurantinhaber ist Cheke auch Vater von drei kleinen Mädchen. Ihm ist es wichtig, ihnen ihre mexikanische Kultur weiterzuvermitteln. So bringt er ihnen zu Hause unter anderem das Kochen bei. «Am Anfang haben sie nie Lust, doch am Schluss lieben sie es und sind extrem stolz auf die Gerichte, die sie vorbereitet haben.» Er selbst hat mit acht Jahren angefangen zu kochen. «Essen ist ein wichtiger Teil unserer Kultur. Es ist in unserer DNA, man wird damit geboren.»

Ginevra Lo Piccolo, Schaffhausen24
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