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Gesellschaft
11.05.2021
27.05.2021 14:57 Uhr

Die nächste Generation übernimmt

Eric (l.) und Lukas Vogelsanger fahren mit der Familientradition fort und übernahmen im April den Familienbetrieb. Sie freuen sich, zusammen den Hof führen zu dürfen.
Eric (l.) und Lukas Vogelsanger fahren mit der Familientradition fort und übernahmen im April den Familienbetrieb. Sie freuen sich, zusammen den Hof führen zu dürfen. Bild: Nathalie Homberger, Schaffhausen24
Der Landenhof in Beggingen hat zwei neue Leiter: Lukas und Eric Vogelsanger übernehmen den Familienbetrieb und führen die Damwildhaltung fort.

 

Nur wenige Schritte von der deutschen Grenze entfernt liegt der Landenhof in Beggingen. Auf den ersten Blick wirkt der Bauernhof im Randengebiet idyllisch, aber auch unscheinbar. Hinter den Stallgebäuden erstreckt sich bis zum Wald eine riesige Weidefläche von 14 Hektaren. Doch nein, Kühe, Schweine, Pferde oder andere Landwirtschaftstiere sind hier keine zu finden, sondern etwas wildere Genossen: Damhirsche. Seit April dieses Jahres leiten die Brüder Lukas (28 Jahre) und Eric Vogelsanger (27 Jahre) den Hof, auf dem sie aufgewachsen sind und der bereits seit Jahrzehnten in Familienhänden liegt. Ihr Ziel nach der Übernahme ist es, eine nachhaltige Form der Landwirtschaft zu betreiben. Altbewährtes wie die Damhirschzucht und die Hirschfleischvermarktung führen sie fort. Es erfolgt aber eine Umstellung des Landbaus. «Die grösste Neuerung ist, dass wir den Ackerbau auf biologisch-dynamisch umstellen und somit möglichst nachhaltig produzieren möchten», erklärt Eric Vogelsanger. Das heisst, auf den Feldern werden keine Kunstdünger und keine synthetischen Pflanzenschutzmittel im Einsatz stehen, dafür kommt vermehrt die mechanische Unkrautbekämpfung zum Einsatz. «Wir haben den Stil unseres Grossvaters übernommen», fügen die beiden schmunzelnd hinzu. «Zudem soll die Bodenqualität verbessert werden. Das erreichen wir mit der regenerativen Ackerbaumethode», sagt Lukas Vogelsanger. Beiden ist anzumerken, dass sie sich auf ihre neue Herausforderung freuen und mit Herzblut hinter dem Familienbetrieb stehen – bereit für die Zukunft

 

Damwild seit 40 Jahren

«Obwohl die Tiere im Gehege gehalten werden, sind es doch Wildtiere. Sie trauen dir nicht über den Weg und versorgen sich aber auch komplett selbst», erzählt Eric Vogelsanger über die robusten Tiere. Medikamentöse Behandlungen oder Unterstützung bei den Geburten und so weiter bräuchte es nicht. Was nicht zu vergessen sei, ist, dass das Damwild immer noch ein Fluchttier ist. «Geduld ist hier gefragt. Zum Glück haben wir viel Erfahrung, auch dank unserem Vater und Grossvater», so der jüngere Bruder. «Mit der Zeit lernst du auch die Herde zu lesen», fügt Lukas Vogelsanger während des Interviews lachend hinzu. Auch da war Geduld gefragt: Die Journalistin mit der Kamera war den Tieren wohl sehr suspekt, denn sie zierten sich lange, um für ein Foto Model zu stehen und nur ansatzweise in die Nähe der Fütterung zu kommen.

 

Selbstbedienungsladen geplant

In den letzten Jahren wurde das Damwild vor allem an Metzgereien und Restaurants verkauft. Die Gebrüder Vogelsanger möchten aber wieder vermehrt eine Direktvermarktung betreiben. «Gerade in der heutigen Zeit, machen sich die Leute immer mehr Gedanken über ihren Fleischkonsum. Da ist das Hirschfleisch eine nachhaltige, regionale, gesunde und tierfreundliche Variante», meint Eric Vogelsanger. Zudem planen die beiden neu einen Selbstbedienungsladen auf dem Hof. Die Hauptzeit für das Damwildfleisch ist vor allem der Herbst. Aber auch während des ganzen Jahres gibt es immer mal wieder Fleisch oder weitere Produkte wie beispielsweise den Honig des Grossvaters zu verkaufen, die dann im Selbstbedienungsladen erhältlich sind. «Ich mache auch hin und wieder Hirschburger oder produziere Räucherfleisch, welches dann jederzeit bei uns bezogen werden kann», erklärt Lukas Vogelsanger. Der Selbstbedienungsladen soll auf Anfang Juni in Betrieb genommen werden.

 

Berufliche Erfahrungen

Die Gebrüder Vogelsanger sind zwar auf dem Hof gross geworden, aber auf ihrem beruflichen Werdegang verschlug es sie in eine andere Richtung. Lukas Vogelsanger war früher in der Pflege tätig. «Das Bauern war zwar allgegenwärtig, aber für mich damals noch nichts spezielles», so der 28-Jährige. Im Pflegeberuf schätzte er den sozialen Kontakt, der ihm heute etwas fehle auf dem Hof. Erst später erkannte er, welchen Wert die Landwirtschaft für ihn hat. So absolvierte er die Zweitausbildung zum Landwirt und begann, bei seinem Vater auf dem Hof zu arbeiten. Das war vor sieben Jahren. «Je nachdem wie der Betrieb läuft, kann ich vielleicht in den Wintermonaten aber wieder in der Pflege tätig sein». Eric Vogelsanger hingegen verschlug es nach der Schule an die ETH nach Zürich, wo er einen Master in Agrarwissenschaften abschloss. Während des Studiums arbeitete er Teilzeit auf dem Schaffhauser Landwirtschaftsamt, nach dem Abschluss verdiente er sich seine Sporen beim Regionalen Naturpark Schaffhausen ab. Beide Brüder bringen also unterschiedliche Erfahrungen aus ihrem bisherigen Werdegang mit, um nun gemeinsam den Familienbetrieb zu leiten.

Dass die Übernahme des Hofes bereits im April stattfand, war so nicht geplant gewesen. «Es hat damit zu tun, dass unser Vater eine neue Anstellung auf dem Betrieb der altra schaffhausen erhalten hat und unsere Eltern uns jetzt schon ‹freie Bahn› lassen», sagt Lukas Vogelsanger. «Dann ging alles ziemlich schnell», fügen die beiden jungen Männer lachend hinzu. Jedenfalls seien die Eltern sowie die Grosseltern überglücklich, dass der Landenhof in Familienhänden bleibt, denn das war nicht immer so klar. «Diese Chance, den Hof nun übernehmen zu können, mussten wir aber am Schopf packen. Und es macht mega Spass», so Eric Vogelsanger. Es sei zwar eine grosse Verantwortung für so junge Personen: «Aber wir sind froh, dass wir zu zweit sind und sich so die Verantwortung halbiert.»

 

Weitere Infos zum Landenhof und dem Hirschfleisch-Verkauf sind unter landenhof.com zu finden.

 

Nathalie Homberger, Schaffhausen24