Home Region Sport Schweiz/Ausland Magazin Agenda
Gesellschaft
03.11.2020

«Tiere sind so wandelbar»

Katja Ganz ist Tierpflegerin und stellvertretende Leiterin im Tierheim Buchbrunnen.
Katja Ganz ist Tierpflegerin und stellvertretende Leiterin im Tierheim Buchbrunnen. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Der «Bock» war zu Besuch im Tierheim Buchbrunnen in Schaffhausen. Dem Ort, wo der Abschied einer der schönsten Momente ist.

Die Geschichten, warum Tiere ins Tierheim gebracht werden, sind vielfältig. Trennungen, Jobwechsel, Allergien oder Zeitmangel gehören zu den Gründen. «Oft sagen die Leute aber nicht die ganze Wahrheit», so Katja Ganz, die seit 2004 als Tierpflegerin im Tierheim Buchbrunnen in Schaffhausen arbeitet. Nach einigen Tagen im Tierheim lassen sich vielfach Verhaltensauffälligkeit feststellen. «Dabei kann man fast an jedem Problem arbeiten. Tiere sind so wandelbar.» Die gelernte Tiermedizinische Praxisassistentin begleitet Hunde, Katzen, Schildkröten, Hasen, Degus und viele mehr auf ihrem Weg zu einem neuen Zuhause. Ein Einblick in ihren Alltag.

Kein Tag wie der andere

Einen typischen Arbeitstag im Tierheim gibt es nicht. «Morgens lasse ich zuerst die Hunde raus und schaue bei allen Tieren kurz rein, um zu wissen, wie es ihnen geht», sagt die stellvertretende Tierheimleiterin. Es folgt die Tagesplanung mit dem Team. Neben sehr viel Putzarbeit liegt ein Schwerpunkt auf dem Beobachten der Tiere. Auf das, was danach kommt, können sich die Tierpflegerinnen kaum vorbereiten: Ab 10 Uhr stehen die Türen für die Kundschaft offen und es kommt nicht selten vor, dass kurz vor Feierabend noch drei wilde Katzen vorbeigebracht werden, die wie alle anderen Tiere freundlich und mit offenen Armen empfangen werden. «Auch die Anzahl Tiere ist nicht planbar, es kann sein, dass von einem Tag auf den anderen plötzlich 30 Chüngel mehr da sind.»

Grosses Herz gefragt

«Flexibilität, eine gute Beobachtungsgabe, sehr viel Einfühlungsvermögen und ein grosses Herz für Tiere sowie Menschen», antwortet Katja Ganz auf die Frage, was es braucht, um ihren Beruf erfolgreich auszuüben. «Und bereit sein, viel zu putzen.» Als Tierpflegerin sieht sie auch viel Leid. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Kangal-Hündin. Die grosse Hirtenhündin wurde in einem Wald gefunden und bestand nur noch aus Haut und Knochen. «Auch traurig sind Trennungen von Tieren und Menschen, die gestorben sind oder ins Altersheim müssen.» Und welches sind die schönsten Momente im Alltag einer Tierpflegerin? «Wenn die neuen Besitzerinnen und Besitzer mit den fröhlichen Hunden vorbeikommen oder wir Mails mit Fotos vom neuen Zuhause der Katzen und Hasen bekommen», sagt Katja Ganz. Im Herbst sind es zudem rührende Momente, wenn Igel nach Tagen oder gar Wochen auf der Pflegestation wieder ausgewildert werden können. Katja Ganz geht gerne arbeiten. «Für mich ist es nicht nur ein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung», so die Tierliebhaberin. Viel mehr wert, als reich zu werden, sind ihr die lustigen und überraschenden Momente mit den Tieren.

Tierheim ist kein Laden

«Wir haben seit Corona viel weniger Ferien- und Tageshunde, da die Leute nicht verreisen und vermehrt im Homeoffice arbeiten», so die Tierpflegerin. Die Nachfrage nach Spaziergängen mit Hunden ist nach wie vor gross. «Wir haben oft mehr Menschen, die mit Hunden spazieren gehen wollen, als Hunde», heisst es auch auf der Webseite des Tierheims. Bei den Vermittlungen sei es jeweils wichtig, dass das Tier zur neuen Besitzerin oder dem neuen Besitzer passt. «Das Tierheim ist kein Laden, wo man einfach aussuchen kann», so Katja Ganz. Wer sich für ein Tier entscheidet, muss dazu bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. «Das sollte den Menschen bewusst sein.» Ein Tier ist eine langfristige Entscheidung und die Bindung, die eingegangen wird, sollte wirklich gut überlegt sein. «Für ein Tier bist du alles», so Katja Ganz. Und mindestens eines kann so mancher von den Hunden lernen. «Hunde leben immer im Hier und Jetzt. Das würde ich auch gerne können.»

Lara Gansser, Schaffhausen24
Demnächst