ylvia Bührer (geb. 1964) arbeitet seit 2016 bei den Bibliotheken Schaffhausen. Sie wurde in den Niederlanden geboren und wohnt mittlerweile seit über drei Jahrzehnten in der Region Schaffhausen. Während der Pandemie hat die Vielleserin begonnen regelmässig Buchrezensionen zu schreiben – zuerst ausschliesslich für ihre Kolleg:innen aus der Bibliothek, unterdessen auch für den Bibliotheksnewsletter und die App der Stadt Schaffhausen. In loser Folge schreibt sie für den «Bock» Buchempfehlungen.
Vom 6. bis 14. April findet in der Region Schaffhausen-Hegau wieder die «Erzählzeit ohne Grenzen» statt. 35 Autor:innen lesen und erzählen an 66 Veranstaltungen in 41 Städten und Gemeinden. Aus dem riesigen Programm habe ich zwei Bücher ausgewählt, die in der Stadtbibliothek präsentiert werden.
Die Liebe an miesen Tagen
Ewald Arenz – DuMont, 2023
Dieser Roman war 2023 eines der am meisten gelesenen Bücher unserer Bibliothek. Es ist die Geschichte einer grossen Liebe von zwei Menschen, die so gar nicht damit gerechnet hatten. Es erwischt sie völlig unerwartet und heftig. Die Liebe dieser beiden nicht mehr ganz so jungen Menschen – der Mann Elias ist Anfang vierzig, die Frau Clara Ende vierzig – wird allerdings hart auf die Probe gestellt. Arenz’ Schreibstil ist süffig. Man liest das Buch schnell und gierig. Nach meinem Geschmack sind die Protagonisten, inklusive Nebenfiguren, etwas zu perfekt. Alle sind immer äusserst nett zueinander. Ob es die intensive Beziehung zwischen Clara und ihrem Bruder ist oder der nette Umgang von Elias mit seiner Ex-Freundin oder auch die Geduld und die Liebe, die alle für die demente Mutter von Clara aufbringen. Mir haben die Ecken und Kanten, die die meisten Menschen nun mal haben, gefehlt. Trotzdem empfehle ich dieses Buch gerne weiter. Einfach weil die Liebesgeschichte so schön ist.
Lesung am 7. April um 17 Uhr in der Stadtbibliothek Schaffhausen.
Mameleben oder das gestohlene Glück
Michel Bergmann – Diogenes, 2023
In diesem biografischen Roman erzählt Bergmann von dem Leben seiner Mutter und von seinem zwiespältigen Verhältnis zu ihr. Natürlich liebt er sie, aber manchmal findet er sie einfach nur anstrengend. Weshalb das so gekommen ist, beschreibt er mit viel Humor. Charlotte Meinstein wird 1916 geboren. Der Zweite Weltkrieg raubt ihr die Zukunft, die sie sich erhofft hatte. Ihre Ausbildung wird unterbrochen und nie mehr nachgeholt und die Flucht nach Frankreich verändert den Lauf ihres Lebens unwiderruflich. Gerade deswegen hofft sie, dass ihr Sohn ein besseres Leben haben wird. Er hat aber ganz andere Ansichten und Pläne als seine Mutter. Trotzdem spürt man ganz deutlich die grosse Liebe, die Michel Bergmann für seine Mutter empfindet. Deshalb ist dieses Buch auch eine Ode an die Mutter und an die Familie.
Lesung am 8. April um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Schaffhausen.