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Freizeit
16.01.2026
16.01.2026 16:21 Uhr

Langsam ist das neue Schnell

Gemeinsam Zeit verbringen, sich austauschen und sich gegenseitig helfen – so lässt sich ein Mittwochnachmittag im «KULTURLABOR.sh» beim «Freien Stricken» verbringen. Und weil es das erste Treffen im neuen Jahr war, durfte ein selbst gebackener Königskuchen nicht fehlen.
Gemeinsam Zeit verbringen, sich austauschen und sich gegenseitig helfen – so lässt sich ein Mittwochnachmittag im «KULTURLABOR.sh» beim «Freien Stricken» verbringen. Und weil es das erste Treffen im neuen Jahr war, durfte ein selbst gebackener Königskuchen nicht fehlen. Bild: Ginevra Lo Piccolo
Jeden Mittwoch treffen sich Strickbegeisterte im «KULTURLABOR.sh», um gemeinsam an ihren Projekten weiterzuarbeiten. Geleitet wird die Gruppe von Jaqueline Brauchli, ehemaliger Besitzerin des Wulle-Ladens und ausgebildeter Nählehrerin. Sie erzählt, was den Anlass «Freies Stricken» besonders macht.

Die Wertschätzung, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, ist ein immer wiederkehrendes Thema. Das könnte daran liegen, dass Menschen in einer zunehmend digitalisierten Welt das Bedürfnis haben, etwas Materielles und Eigenes zu erschaffen. Im «KULTURLABOR.sh» an der Bachstrasse treffen sich Strickbegeisterte jeden Mittwoch, von 11 bis 18 Uhr, um von der Expertin Jaqueline Brauchli zu lernen und in geselliger Runde zu stricken. Sie ist die ehemalige Besitzerin des «Wulle-Ladens» in der Webergasse. Ihre Leidenschaft fürs Stricken hat sie in der Schule entdeckt und sich später zur Handarbeitslehrerin ausbilden lassen. Bestellungen nimmt sie allerdings nicht entgegen. «Wenn ich etwas stricke, dann nur als Geschenk für Leute, von denen ich weiss, dass sie es zu schätzen wissen. Es würde mir wehtun, wenn ich wüsste, dass die Socken, für die ich acht Stunden gearbeitet habe, dann bei 60 Grad in der Waschmaschine landen», erklärt sie. Auch Karola, eine Teilnehmerin des freien Strickens, hat es in der Schule gelernt: «Damals fand ich es recht spiessig und hatte nie Lust darauf. Doch je älter ich werde, desto mehr gefällt es mir, und es bereitet mir Freude. Ich höre dazu meistens Hörbücher und finde es sehr entspannend», erzählt sie schmunzelnd. Auch Valerié ist dabei. Sie erzählt, dass sie sich nicht an eine Zeit erinnern könne, in der sie nicht gestrickt habe: «Meine Mutter hat viel gestrickt, also durfte ich sie lange beobachten. Dann hatte ich es zusätzlich als Schulfach. Mit 13 habe ich meinen ersten Pulli gestrickt.» Jaqueline Brauchli meint, das Besondere am Stricken sei, dass man etwas erschafft und es gleichzeitig spannend und entspannend sein kann. Beim freien Stricken muss man sich zudem nicht allein zu Hause den Kopf zerbrechen, wenn ein Hindernis auftaucht. «Bei meinem letzten Projekt hatte ich ein Problem und wusste nicht mehr weiter. Ich habe es mitgebracht und gemeinsam haben wir eine Lösung gefunden. Das finde ich einfach schön», erzählt sie.

Unikate erstellen

Auf die Frage, wieso immer mehr Jugendliche Interesse an diesem Hobby haben, hat Jaqueline Brauchli eine Antwort parat: «Corona hat hier sicher eine Rolle gespielt. Es könnte aber auch daran liegen, dass sich Menschen nach mehr originalen Stücken sehnen. In den Läden findet man überall die gleichen Stücke. Beim Stricken werden Unikate erstellt. Zudem ist es ein Moment der Ruhe in einer sehr hektischen Gesellschaft.» Stricken ist allerdings nicht unbedingt ein billiges Hobby: «Ich würde behaupten, dass ab 30 Franken vernünftiges Material zum Arbeiten zu finden ist. Aber auch in Brockenhäusern kann man Glück haben.» Jaqueline Brauchli hätte viele Ideen für weitere Veranstaltungen rund um das Stricken und Häkeln, doch sie möchte ihre Freizeit nicht zu stark einschränken: «Ich bin gerne pensioniert und möchte nicht mehr Verantwortung übernehmen, denn für Kurse braucht es viel Vorbereitung.» Das «KULTURLABOR.sh» eigne sich besonders gut für das freie Stricken, denn Stricken sei eine tief verankerte Kunst in der Gesellschaft, genauso wie Malen, Musizieren oder Schreiben, meint sie. «Ich glaube, wir passen gut hier, weil wir uns gegenseitig helfen. Und das ist der Spirit dieses Raumes», fügt die Teilnehmerin Karola hinzu. Wer also Lust hat, diesem Hobby nachzugehen, kann am Mittwoch Zeit, Geduld und Strickmaterialien mit ins «KULTURLABOR.sh» bringen und die Freude erleben, ein Unikat mit den eigenen Händen herzustellen.

  • Gruppenleiterin Jaqueline Brauchli nimmt oft Socken zum Stricken mit, da diese nicht so aufwändig sind und sie sich somit auch auf die anderen konzentrieren kann. Bild: Ginevra Lo Piccolo
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  • Karola sagt, dass sie im Stricken nicht besonders geübt ist, aber dennoch immer wieder gerne kommt. Dieses Mal hat sie an ihrer Decke weitergearbeitet. Bild: Ginevra Lo Piccolo
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  • Zeit, Geduld und Kreativität sind beim Stricken das A und O. Bild: Ginevra Lo Piccolo
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  • Im «KULTURLABOR.sh» nimmt man sich gerne Zeit, um schöne Dinge zu erschaffen. Bild: Ginevra Lo Piccolo
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  • Valérie (l.) und Sabina sind auch immer wieder gerne dabei. Es gibt viele Arten des Strickens. Valérie strickt ganz anders als die anderen aus der Gruppe. Diese Vielfalt sorgt immer für kreative Lösungen. Bild: Ginevra Lo Piccolo
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Ginevra Lo Piccolo, Schaffhausen24
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