Phillip B. Williams (*1986) hat bisher Gedichte geschrieben und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Nun hat er mit seinem Roman «Ours – Die Stadt» nach seinen eigenen Worten eine «zeitgenössische Mythologie des Schwarzseins in den Vereinigten Staaten von Amerika» geschrieben.
Mitte des 19. Jahrhunderts reist eine mysteriöse Frau, genannt Saint, mit ihrem stummen Begleiter durch die Südstaaten Amerikas. Mit Magie und Gewalt zerstört sie Plantagen, tötet die Besitzer und befreit die Sklaven. Dies führt sie in eine Stadt, die bald von allen weissen Bewohnern verlassen wird. Die Schwarzen nennen die Stadt nun Ours. Und auch sich selbst geben sie neue Namen. Sie verschönern ihre Häuser, bepflanzen ihre Gärten und bekommen Kinder. Saint beschützt die Stadt gegen Fremden mit einem Zauber.
So vergehen einige friedliche Jahre, der Leser erfährt durch diverse Einzelschicksale, was die Bewohner erlebt haben, bevor sie befreit wurden. Die meisten finden sich in ihrem neuen Leben gut zurecht. Ein paar wenige kämpfen mit den Dämonen ihrer Vergangenheit – nicht immer gewinnen sie diesen Kampf. Währenddessen verliert Saint immer mehr ihr Gefühl für Zeit und Raum. Als Leserin erfahre ich, dass sie alle ihre Lieben verloren hat und auch ihre Kinder früh gestorben sind. Was es mit ihrem schweigenden Begleiter auf sich hat, kommt erst gegen Schluss ans Licht. Nicht nur Saint verliert die Zeit, die Zeit geht auch irgendwie in Ours verloren. Die Jahreszeiten vergehen langsamer und so bleibt Ours immer weiter in der Zeit zurück. In der Aussenwelt wurde die Sklaverei längst abgeschafft, als die Stadt sich langsam öffnet. Die Bewohner tun sich schwer mit der Integration in diese neue Welt, die sie umgibt.
Williams hat für seinen Roman eine oft poetische Sprache gewählt. Magie und Zauberei erinnern an Märchen. Gleichzeitig ist die Erzählung durchzogen von viel Gewalt, so braucht man als Leserin oder Leser manchmal starke Nerven. Alles in allem, finde ich, ist Williams ein mythologisches Werk gelungen. Die Geschichte der Afrikaner, die versklavt und nach Amerika gebracht wurden, wird hier auf neue Art erzählt. Ich habe sie atemlos gelesen!