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Gesellschaft
08.01.2026

Neujahrswunsch: mehr Hinsehen statt Wegschauen

Nadja Stocker schreibt im «Bock» in regelmässigen Abständen Ratgeberkolumnen für das Blaue Kreuz.
Nadja Stocker schreibt im «Bock» in regelmässigen Abständen Ratgeberkolumnen für das Blaue Kreuz. Bild: zVg.
In der ersten Ausgabe des Schaffhauser «Bock» im Jahr 2026 wünscht sich Nadja Stocker, Blaues Kreuz Schaffhausen-Thurgau, unter anderem mehr Mut, füreinander da zu sein.

Ein neues Jahr kann mit Feuerwerk, Party und Jubel beginnen. Ein neues Jahr kann aber auch leise beginnen, im Stillen. Mit einem Atemzug der Chance, bewusst mit etwas Neuem zu beginnen. Für uns in der Suchtfachstelle des Blauen Kreuzes Schaffhausen ist dieser ruhige Moment besonders wertvoll. Er erinnert uns daran, dass Veränderung nicht an grossen Gesten hängt, sondern an kleinen Schritten: einem offenen Gespräch, einer ausgestreckten Hand, einem ehrlichen «Wie geht es dir?». 

Nächstenliebe bedeutet im Alltag unserer Arbeit mehr als ein schönes Wort. Sie zeigt sich in Geduld, in Vertrauen, im Aushalten von Rückschritten und im Feiern von Fortschritten. Sie zeigt sich darin, Menschen nicht über ihre Sucht zu definieren, sondern über ihre Stärke, sich jeden Tag neu für das Leben zu entscheiden. Dankbarkeit wiederum könnte das leise Gegenstück dazu sein – sie entsteht, wenn wir miterleben dürfen, wie jemand Hoffnung zurückgewinnt, Familien wieder miteinander sprechen oder wenn ein Mensch sagt: «Ich habe wieder Boden unter den Füssen.»

An dieser Stelle auch ein Dankeschön an die «Bock»-Redaktion: Indem ihr auch den schwierigen Themen des Lebens einen Platz gebt, stärkt ihr nicht nur unsere Arbeit, sondern auch das gesellschaftliche Verständnis für Menschen, die Unterstützung verdienen. Wenn wir vom Blauen Kreuz uns also etwas fürs neue Jahr wünschen, dann dies: mehr Hinsehen statt Wegschauen. Mehr Zuhören statt Urteilen. Mehr Mut, füreinander da zu sein. Denn Veränderungen können dort beginnen, wo Nächstenliebe und Dankbarkeit sich begegnen.

Schaffhausen24
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