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Kanton
20.01.2026

Wer nicht versteht, bleibt zurück

Nina Schärrer.
Nina Schärrer. Bild: zVg.
Eine Kolumne von Nina Schärrer.

Durch unsere beiden Töchter durfte ich in den letzten Jahren Einblick in verschiedene Kindergartenklassen in Schaffhausen und Neuhausen erhalten. Ich bestaunte farbenfrohe Bastelarbeiten und begleitete Räbeliechtliumzüge. Aber ich erlebte auch Kinder, die viel wollen, aber nicht können, weil ihnen die Worte fehlen. Und ich sah Lehrpersonen, die gleichzeitig unterrichten, soziale Kompetenzen fördern und Sprachgrundlagen aufbauen müssen, die eigentlich schon vor dem ersten Kindergartentag da sein sollten.

Diese Situation belastet alle. Kinder starten mit schlechteren Chancen, weil sie Regeln, Aufträge oder Konflikte sprachlich nicht bewältigen können. Lehrpersonen werden zu Dolmetscherinnen und Sprachlehrerinnen. Doch das nimmt ihnen Zeit, die sie eigentlich für alle Kinder einsetzen sollten.

Verbindlichkeit für Chancengleichheit

Erhebungen der Stadt Schaffhausen zeigen: Über ein Drittel der Kinder kommt ohne ausreichende Deutschkenntnisse in den Kindergarten. 2017 erhielt der Regierungsrat deshalb den Auftrag, eine Vorlage für eine gesamtheitlich optimierte Frühförderung fremdsprachiger Kinder auszuarbeiten. Acht Jahre später warten wir noch immer. Für dieses Jahr ist zwar eine Vorlage angekündigt, doch es droht, dass ein entscheidender Punkt fehlt: Verbindliche Massnahmen bei festgestelltem Sprachförderbedarf.

Darum habe ich im Dezember das letzte Postulat des Jahres 2025 eingereicht. 32 Kantonsrät:innen aus allen Fraktionen haben es mitunterzeichnet. Mein Postulat fordert nebst einer kantonsweit einheitlichen Sprachstanderhebung vor Kindergarteneintritt auch verbindliche Massnahmen, wenn Bedarf nach Deutschförderung besteht. Einfach gesagt: Die Deutschförderung eines Kindes darf nicht davon abhängen, ob die Eltern Lust dazu haben.

Nichtstun ist teurer

Bei diesem Thema greift Freiwilligkeit oft zu kurz. Denn die meisten der betroffenen Kinder sind hier geboren; einige haben gar Eltern, die selbst Schweizerdeutsch sprechen. Die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, war also schon lange gegeben. Trotzdem haben die Eltern diese nicht in Anspruch genommen – sei es aufgrund von Bildungsferne oder weil sie sich aus persönlicher Überzeugung gegen ein zweisprachiges Aufwachsen entschieden haben. Wenn wir echte Chancengerechtigkeit wollen, braucht es verbindliche Massnahmen, aber unterstützend und niederschwellig. Dazu gehört auch, dass die öffentliche Hand die Kosten trägt. Ja, das kostet Geld. Aber Nichtstun ist teurer. Frühzeitige Sprachförderung kann spätere Folgekosten reduzieren, vom zusätzlichen Förderunterricht bis hin zu teurer Spezialbeschulung.

Mit früher Deutschförderung schenken wir Kindern die Sprache, mit der sie lernen, Freundschaften schliessen und später ihren eigenen Weg gehen können. Ich hoffe, die breite politische Unterstützung bleibt bestehen, zugunsten der Schaffhauser Kinder.

Schaffhausen24, Originalmeldung Nina Schärrer
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