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Laufsport
11.07.2022

Neuer Rhyfall-Lauf – ein Reinfall?

Rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer starteten 2021 an der Neuaustragung des Rhyfall Laufs. (Archivbild)
Rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer starteten 2021 an der Neuaustragung des Rhyfall Laufs. (Archivbild) Bild: Patrick Baljak, Schaffhausen24
17 Jahre lang war der Rheinfall-Lauf ein beliebter Traditionsanlass für Läuferinnen und Läufer von nah und fern. Letztes Jahr führte ein neues OK unter Thomas Ryser den Lauf mit neuem Konzept als Rhyfall Lauf weiter. Nun droht bereits das Ende.

Nachdem das OK des 2003 lancierten Rheinfall-Laufs im Oktober 2020 seinen Rücktritt verkündete, übernahm ein Team rund um Thomas Ryser den beliebten und traditionsreichen Laufanlass. Unter dem Namen Rhyfall Lauf wurde er im August 2021 mit einem neuen Konzept durchgeführt. Mit diversen Austritten aus dem OK, fehlenden Abrechnungen und unbezahlten Rechnungen sowie keinem bestätigten Datum 2022 deutet wenig auf eine Weiterführung des neuen Anlasses hin. Seit Mai erscheint auf der Webseite die Meldung: «Die Seite wird in Kürze wieder erreichbar sein.» 

Gibt es noch ein OK?

Nicht zuletzt ausschlaggebend für die vertiefteren Recherchen war ein Mail an die Redaktion des «Bocks». Ein sogenannter Max Meier teilte mit, dass sich nach der letzten Austragung des Rhyfall Laufs Veränderungen im OK abgezeichnet hätten und diese Lücken bisher nicht geschlossen wurden. Der Rhyfall Lauf suche nach wie vor neue OK-Mitglieder, da auch der OK-Verantwortliche – Thomas Ryser – das Amt aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben könne. Weiter sei intern über eine Änderung des Konzepts und des Zeitpunkts diskutiert worden. Weder Max Meier noch Thomas Ryser waren für eine Stellungnahme erreichbar. Weiter fragt sich: Wer ist überhaupt Max Meier? Weder die zurückgetretenen OK-Mitglieder Raffael Brandenberger (Medienverantwortlicher) und Ninia Melcher (Vize-Präsidentin) noch Christoph Wahrenberger, OK Präsident der Vorgängerveranstaltung Rheinfall-Lauf, haben diesen Namen je gehört. Auch die Suche nach OK-Mitgliedern aus dem Jahr 2021, die weiter dabei sind, verlief ins Leere.

Da lief einiges schief

Als das ehemalige OK seinen Rücktritt verkündete, war es Thomas Ryser, der aus freien Stücken den Lauf weiterführen wollte. «Uns war es wichtig, dass nicht eine Person alleine alles übernimmt, sondern sich ein OK bildet, das etwas Langfristiges organisiert», so Christoph Wahrenberger, der beim ehemaligen Rheinfall-Lauf als OK-Präsident fungierte. Mit Ninia Melcher und Raffael Brandenberger fand Thomas Ryser weitere OK-Mitglieder – doch beide sind bereits wieder zurückgetreten. Die ehemalige Vize-Präsidentin vor allem aus privaten und zeitlichen Gründen. «Der Organisationsaufwand war sehr gross. Die Kommunikation war teils schwierig – bei einer Weiterführung müsste vieles optimiert werden», so Ninia Melcher.

«Bei der ersten Durchführung dürfen Fehler passieren, aber nicht in diesem Ausmass», meint Raffael Brandenberger, der 2021 als Medienverantwortlicher im OK mitarbeitete. Weder die Streckenführung noch die Helferorganisation haben funktioniert. Auf der Langstrecke über 19 Kilometer sind diverse Läuferinnen und Läufer falsch gelaufen. Helferinnen und Helfer, die morgens zur Unterstützung im SIG Areal erschienen, wussten bis dahin nicht, wo sie eingesetzt werden. «Nachdem ich mich als Helfer gemeldet hatte, kam nie eine Bestätigung oder Info. Ich musste mich selbst weiter erkundigen. Und auch vor Ort war niemand zuständig», so ein Helfer, der anonym bleiben möchte. Auch im Anschluss an den Anlass habe es weder ein Dankesmail noch ein Helferessen gegeben. «Dass den Helferinnen und Helfern so wenig Wertschätzung entgegengebracht wurde, ging aus meiner Sicht gar nicht. Doch auf Nachfrage erwiderte Thomas stets, dass er sich darum kümmere.» 

Auch ein Debriefing im Anschluss an den Rhyfall Lauf habe es nie gegeben. «Auf unser Feedback kam keine Rückmeldung, nur die Aussage, dass ja alles gut gelaufen sei», erinnert sich Raffael Brandenberger. 

«Wir haben nie eine Abrechnung des Laufs gesehen»
Raffael Brandenberger, ehemaliges OK-Mitglied

Kein Einblick in Finanzen

Ein weiterer kritischer Punkt: niemand aus dem OK, ausser der Familie Ryser, hat je eine Abrechnung gesehen. «Thomas Ryser war für das Sponsoring verantwortlich, seine Frau für die Kasse. Es gab zwar ein Budget, aber niemand wusste, wo wir finanziell stehen», so Raffael Brandenberger. Er – der bereits im Herbst 2021 aus dem OK ausgetreten ist – habe vor einigen Wochen noch eine dritte Mahnung erhalten (Anm. der Reaktion: auch beim «Bock» sind noch 861 Franken offen). «Ich fragte diverse Male nach der Abrechnung, nicht zuletzt als Mahnungen zu mir kamen. Wenn man dann nichts hört, ist es nicht verwunderlich, dass Misstrauen entsteht.» 

Dass der Rhyfall Lauf keine finanziellen Schwierigkeiten bekommen sollte, sei dem ehemaligen OK-Präsidenten, Christoph Wahrenberger, von Beginn an wichtig gewesen. «Wir hatten mit dem neuen OK einen ‹Letter of Intent› abgeschlossen, in dem alles in Bezug auf finanzielle und materielle Unterstützung geregelt war», so Christoph Wahrenberger. Der ehemalige Rheinfall-Lauf sei damit als stiller Sponsor aufgetreten. «Am liebsten hätte Thomas Ryser damals gleich unser ganzes Vermögen und sämtliches Material übernommen. Doch dieses Risiko wollten wir nicht eingehen.» Mit viel Herzblut und etlichen Freiwilligeneinsätzen hatte sich das ehemalige OK das Material an anderen Laufveranstaltungen verdient. Nach 17 Jahren habe das OK entschieden, dass der Zeitpunkt für etwas Neues gekommen sei: «Wir wünschten uns, dass der Rheinfall-Lauf eine langfristige Nachfolgeveranstaltung findet. Unser Ziel war es aber nie, dass jemand genau das gleiche macht, wir waren offen für Neues», so Christoph Wahrenberger. Aus diesem Grund sei vereinbart gewesen, dass nach der Veranstaltung im August das Gründungsprotokoll, das Sponsoringkonzept, ein Budget und die definitive Abrechnung eingereicht werden sollten, so wie es im «Letter of Intent» vereinbart wurde. Bis Ende November habe man nichts vom OK-Präsidenten gehört, auch auf die Fristverlängerung seien keine Unterlagen eingereicht worden. «Es kam heraus, wie wir es befürchtet hatten.» 

Die letzte Nachricht seitens Thomas Ryser sei gewesen, dass der Anlass positiv abgeschlossen habe. «Wenn ich nun von offenen Rechnungen höre, frage ich mich, warum nie mit uns darüber gesprochen wurde. Wir hätten sicher in dem Rahmen ausgeholfen, wie wir es vereinbart hatten», so Christoph Wahrenberger, der weiter sehr bedauert, dass damit persönliche Beziehungen mit Sponsoren sowie Helferinnen und Helfern aufs Spiel gesetzt wurden. «Alles in allem sind wir aber nicht überrascht, wie es nun endet.»

Lara Gansser, Schaffhausen24